Buback-Prozess

Warum Ex-RAF-Terroristin Becker ihr Schweigen bricht

Im Prozess um den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Buback kommt es zu einer überraschenden Wende. Verena Becker will aussagen.

Paukenschlag im RAF-Prozess um den Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback: Die Verteidigung kündigte am Donnerstag überraschend eine Aussage der wegen Mittäterschaft angeklagten früheren RAF-Terroristin Verena Becker an, die bislang zu den Vorwürfen geschwiegen hatte. „Frau Becker wird sich am 14. Mai zur Sache äußern“, sagte Rechtsanwalt Walter Venedey vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Beckers zweiter Verteidiger Hans Wolfgang Euler ergänzte in einer Verhandlungspause, Becker werde sich etwa 20 Minuten lang „persönlich und im Einzelnen zu den Anklagepunkten äußern“.

Die Bundesanwaltschaft wirft Becker vor, maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag auf Buback am 7. April 1977, an der Planung und Vorbereitung des Attentats und an der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt zu haben. Bisher hatte die 59-Jährige zu den Anklagevorwürfen geschwiegen. Als Grund dafür, dass sie nun erstmals aussagen wolle, sagte Euler, Becker wolle einiges, was in dem Verfahren gesagt wurde, nicht so stehen lassen. „Sie will sich nicht verstecken“, betonte Euler.

Die Bundesanwaltschaft stützt ihren Verdacht der Mittäterschaft neben DNA-Spuren Beckers an Bekennerbriefen zum Anschlag auch auf beschlagnahmte persönlichen Notizen der Angeklagten sowie zwei gerichtsverwertbare Vermerke des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom 1981 und 1982.

Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte in dem Prozess zudem ausgesagt, Becker habe den von der im Stammheimer Gefängnis sitzenden RAF-Führungsriege in Auftrag gegeben Mord damals für richtig gehalten und „vehement unterstützt, was die Stammheimer wollten“. Becker sei aber keine Wortführerin gewesen und habe in der Gruppe auch „keine herausragende Rolle gespielt“.

Bundesanwalt Walter Hemberger wertete die Ankündigung von Beckers Anwälten positiv. „Eine Einlassung der Angeklagten ist in jedem Fall zu begrüßen“, sagte Hemberger und fügte hinzu: „Frau Becker hätte schon zu Beginn des Prozesses etwas sagen können, dann hätten wir uns viel Arbeit erspart.“ In dem Verfahren wird seit mehr als 80 Sitzungstagen verhandelt.

Nebenklage rechnet nicht mit „sensationellen“ Angaben

Bis heute ist unklar, welches RAF-Mitglied bei dem Anschlag in Karlsruhe Siegfried Buback und seine beiden Begleiter von einem Motorrad aus erschossen hat. Nebenkläger Michael Buback, der Sohn des Ermordeten, verdächtigt Verena Becker, die Todesschützin zu sein, während die Bundesanwaltschaft dafür bislang keine Anhaltspunkte sieht.

Michael Buback sagte in einer Verhandlungspause: „Ich wünsche mir seit anderthalb Jahren, dass Frau Becker sagt, wo sie am Tattag war.“ Deshalb sei die angekündigte Aussage „sehr gut“ und „sehr wichtig“, da der Prozess belastend für die Angehörigen sei. Zugleich rechnet Buback offenbar aber nicht mit einer Aufdeckung der Täter des Mordanschlags. Er habe „keine Hoffnung“, dass Becker etwas Erhellendes zu den Umständen sagen werde.

Auch Nebenklage-Anwalt Jens Rabe sagte, er erwarte die Aussage Beckers mit Spannung, rechne aber nicht mit „sensationellen“ Angaben.

Bei dem Anschlag 1977 waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten RAF-Terroristen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt. Wer die tödlichen Schüsse abfeuerte, ist bis heute unklar.