Frankreich

Nicolas Sarkozy setzt auf die rechte Karte

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Nationalistischer Endspurt im französischen Wahlkampf: Sarkozy wendet sich offen an Le Pens Wähler. Auch sein Rivale wirbt um die Rechten.

Bei seinem ersten großen Auftritt in der entscheidenden zweiten Wahlkampfrunde hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy offen um Rechte und Globalisierungskritiker geworben. „Das Europa, das die Migrationsströme nicht reguliert, das seine Grenzen nicht verteidigt und das gleichzeitig seine Märkte ohne Gegenleistung öffnet, ist am Ende“, sagte er am Montagabend bei einer Kundgebung in Saint-Cyr bei Tours.

„Die gesamte politische Klasse Europas, ja der Welt muss die Nachricht dieser Wahl verstehen“, sagte er mit Blick auf den überraschend großen Erfolg des rechtsextremen Front National (FN). „Europa muss seine Grenzen und Werte verteidigen – wenn Europa dies nicht macht, wird es Frankreich im Alleingang tun.“

Die Franzosen hätten genug von einem Europa, das sie nicht schützen könne. Sie wollten nicht mehr eine Globalisierung ohne Regeln, sie wollten nicht mehr unter dem Joch der Finanzwelt stehen. Der konservative Politiker lag im ersten Wahlgang rund 1,5 Prozentpunkte hinter dem sozialistischen Herausforderer François Hollande.

In seiner mehr als einstündigen Rede wandte sich Sarkozy mit seinen europakritischen Thesen direkt an die knapp 18 Prozent der Wähler, die am Sonntag Marine Le Pen von der FN gewählt hatten. „Wir glauben auch an Europa, aber wir wollen nicht ein Europa das uns unterdrückt und mit Regeln überschüttet“, sagte Sarkozy. Technokratie und Diplomatie würden nicht mehr weiterhelfen. Er werde die Wähler der Front National nicht verurteilen. „Hollande spricht das linke Volk an – ich spreche ganz Frankreich an.“ Mehrfach betonte er die „Nation“, die wichtiger als alles andere sei.

Auch Hollande wirbt um „Wut-Wähler“ von rechts

Der als Favorit geltende sozialistische Herausforderer Hollande wandte sich bei seinem ersten Auftritt im bretonischen Quimper ebenfalls den Protestwählern von Rechtsaußen zu. Nachdem er Sarkozy für das „Wut-Votum“ verantwortlich gemacht hatte, sagte er nun: „Ich will sie hören, die Arbeiter, die Rentner, die nicht mehr können; die Bauern, die um ihre Existenz kämpfen. Wir werden uns alle gemeinsam erheben.“ Zugleich stellte er sich gegen die fremdenfeindlichen Parolen Marine Le Pens. „Ich mache keinen Unterschied bei der Hautfarbe, bei der Herkunft oder dem Lebensweg“, sagte der Sozialist vor seinen Anhängern im strömenden Regen.

Über Sarkozy machte sich Hollande lustig. Der Amtsinhaber sei „der einzige, der noch von sich überzeugt ist. Er glaubt sogar, seine Amtszeit war ein Erfolg“. Gestützt auf die guten Umfragen gab er sich siegessicher. „Niemand wird uns jetzt noch stoppen“, sagte er. Und versprach, sich bei seiner Wahl besonders für die Jugend einzusetzen. Außerdem kündigte er an, dann alle sechs Monate Rechenschaft über seine Amtszeit abzugeben.

Merkel unterstützt weiterhin Sarkozy

Für Hollande spricht neben dem knappen Vorsprung vom Sonntag, dass die linken Kandidaten schon zu seiner Wahl aufgerufen haben, während Marine Le Pen Sarkozy die Unterstützung noch verweigert. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt dessen ungeachtet weiter auf Sarkozy. Sie werde ihn weiter unterstützen, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter in Berlin. Die Regierungschefin werde gleichwohl „mit jedem gewählten Präsidenten hervorragend zusammenarbeiten“.

Für wen sich die Le Pen-Wähler tatsächlich am 6. Mai entscheiden werden ist indes noch völlig unsicher: Nach einer Umfrage des Instituts Harris Interactive würden 44 Prozent von ihnen Sarkozy wählen, laut einer Meinungserhebung von Ipsos hingegen wären es 69 Prozent. Ein Drittel von ihnen könnte gar nicht erst an die Urnen gehen. Parteichefin Le Pen will sich am ersten Mai zu ihren Absichten äußern – nach den Kommentaren ihres Wahlkampfleiters Florian Philippot zu urteilen wird sie sich aber auf keine Seite schlagen: Philippot will „ungültig“ wählen, weil Hollande und Sarkozy „austauschbar“ seien.

( dapd/dpa/ap )