Nordkorea

Kim Jong-un feiert Opas 100. mit massiver Militärparade

Nach dem Raketencrash will Machthaber Kim Jong-un Norkoreas Stärke mit einer pompösen Parade demonstrieren – und hält erstmals eine Rede.

Kampfjets, Raketen und Stalin-Orgeln: Mit einer massiven Heerschau hat Nordkorea zum 100. Geburtstag des früheren Staats- und Parteichefs Kim-il Sung militärische Stärke demonstriert. Zum ersten Mal hielt auch der Enkel Kims sowie Sohn und Nachfolger des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong-il, Kim Jong-un, am Sonntag eine vom staatlichen Fernsehen übertragene Rede.

Dabei schwor er seine Landsleute auf den Kampf für den Sozialismus ein. „Wir müssen unser Militär auf jede denkbare Weise stärken“, sagte Kim Jong-un am Sonntag in einer 20-minütigen Rede vor zehntausenden jubelnden Menschen in Pjöngjang.

"Jeden Feind schlagen"

Die Nordkoreaner müssten das Ziel verfolgen, „einen mächtigen und wohlhabenden sozialistischen Staat zu errichten“, sagte Kim Jong-un, der in den vergangenen Tagen mit weiteren Ämtern zum dritten Staatsführer aus der Kim-Familie aufgebaut wurde. Während sein Vater, der im Dezember 2011 gestorbene Kim Jong-il, Reden in der Öffentlichkeit gemieden hatte, trug Kim Jong-un einen umfangreichen, vorbereiteten Redetext vor. Nordkoreas Armee, mit 1,2 Millionen Mann die viertgrößte der Welt, könne „jeden Feind schlagen“, sagte er.

Zu den Feierlichkeiten vom Wochenende waren ungewöhnlich viele Akkreditierungen für ausländische Journalisten ausgestellt worden. Zwei Monate lang wurde Pjöngjang von tausenden Arbeitern herausgeputzt. Bei der zweistündigen Militärparade wurden unter anderem Styx-, SA2-, SA3-, SA5-, Hwasong-, Nodong- und Musudan-Raketen aufgefahren. Militärexperten bemerkten, dass anders als bei der letzten großen Parade im Oktober 2010 auch eine Rakete der Taepodong-Klasse mit 20 Metern Länge vorgeführt wurde.

Die Militärparade in Pjöngjang folgte zwei Tage nach einem missglückten Raketenstart, der international kritisiert wurde. Mit dem Start der Rakete, die nach nordkoreanischen Angaben einen Satelliten ins All befördern sollte, sollte auch der Geburtstag des früheren Staats- und Parteichefs gefeiert werden. Die USA, Südkorea und Japan sahen darin den verdeckten Test einer Interkontinentalrakete, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte.

Südkoreaner schicken Flugblätter über die Grenze

Der in dem kommunistischen Land als „Großer Führer“ titulierte Ex-Diktator Kim-il Sung starb 1994. Sein Geburtstag gilt als höchster nationaler Feiertag. Kim Jong-un übernahm von ihm und seinem Vater Kim Jong-il auch einen bizarren Personenkult.

Südkoreanische Kritiker des stalinistischen Sozialismus im Norden ließen indes an der Grenze Ballons mit 200.000 Flugblättern aufsteigen. Darauf kritisierten sie den kostspieligen Raketenstart, während zugleich ein Großteil der Bevölkerung Nordkoreas Hunger leide. Die drei Machthaber aus der Kim-Familie wurden als „die drei führenden Verräter“ des Landes bezeichnet.