Mali

Gestürzter Präsident macht Weg für Übergangsregierung frei

Das Militär in Mali hat die Regierung gestürzt. Nun trat der Präsident offiziell zurück - und die Putschisten geben die Macht wieder ab

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Gut zwei Wochen nach seinem Sturz durch putschende Militärs ist der Präsident Malis, Amadou Toumani Touré, offiziell zurückgetreten. Reporter des staatlichen Fernsehens und des französischen Senders France 24 filmten den Staatschef am Sonntag dabei, wie er in einer Villa in der Hauptstadt Bamako ein Rücktrittsschreiben unterzeichnete und an einen Emissär übergab.

Damit machte der 63-Jährige den Weg für eine Übergangsregierung frei. Das Verfassungsgericht des Landes kann nun erklären, dass der Präsident nicht in der Lage sei, sein Amt weiter auszuführen. Dann könnte Parlamentspräsident Dioncounda Traoré die Amtsgeschäfte kommissarisch übernehmen, wie es die Verfassung vorsieht.

Die Putschisten um Hauptmann Amadou Sanogo hatten sich zuvor mit der Ecowas geeinigt und verkündet, die Macht wieder in die Hände einer zivilen Regierung legen zu wollen. Übergangspräsident solle Parlamentspräsident Dioncounda Traoré werden, verkündete Sanogo am Freitagabend im Staatsfernsehen. Außerdem solle die verfassungsmäßige Ordnung wiederhergestellt werden. Den Putschisten sei im Gegenzug eine Generalamnestie zugesichert worden.

Tuareg wollen eigenen Staat

Mit ihrem Einlenken reagierte die Militärjunta sowohl auf die Sanktionen der afrikanischen Nachbarstaaten als auch auf den militärischen Siegeszug der Tuareg-Rebellen. Diese haben den Norden Malis für unabhängig erklärt.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich begrüßte am Samstag die Vereinbarung zur Machtübergabe und forderte eine schnelle Umsetzung. Außerdem stellte Außenminister Alain Juppé eine Wiederaufnahme der nach dem Putsch gestoppten zivilen und militärischen Hilfe in Aussicht.

Unübersichtlich bleibt hingegen die Lage im Norden des Landes. Dort hatten Tuareg-Rebellen die Wirren des Putsches genutzt und weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. Am Freitag erklärten sie deren Unabhängigkeit. Das Land soll Azawad heißen. Das bedeutete in der Sprache der Tuareg „Land der Nomaden“. Allerdings hat bislang kein Staat Azawad anerkannt. Der Westen befürchtet, der Norden Malis könnte sich in eine neue Bastion des Terrornetzwerkes Al-Qaida verwandeln.

Timbuktu kehrt zur Normalität zurück

In Timbuktu, das zum Weltkulturerbe gehört, normalisiert sich die Lage nach der Eroberung durch die Rebellen. „Die Menschen kehren zur Normalität zurück“, sagte der Leiter der Mamma-Haidera-Bibliothek, Abdelkader Haidara, der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefongespräch.

Einige Läden hätten inzwischen wieder geöffnet. Die Bibliothek bleibe aus Sicherheitsgründen jedoch geschlossen. Sie beherbergt rund 45.000 Manuskripte, darunter einige aus dem 15. Jahrhundert. Haidera berichtete außerdem, dass die Rebellen Regierungsgebäude geplündert hätten. „Sie stehen jetzt leer“, sagte er.