Atomkraftwerk Penly

Reaktor in Frankreich nach Feueralarm abgeschaltet

Über der Atomanlage Penly im Nordwesten Frankreichs sind kurz vor Ostern Rauchwolken aufgestiegen. Ein Reaktor wurde schließlich gestoppt.

Im nordwestfranzösischen Atomkraftwerk Penly haben am Donnerstag zwei kleinere Brandherde Feueralarm ausgelöst. Daraufhin wurde einer der beiden Reaktoren automatisch gestoppt. „Es hat keine Verletzten gegeben und das Ereignis hat auf die Umwelt keine Auswirkungen“, teilte die Betreibergesellschaft EDF mit. Die Anlage befindet sich in der Normandie, zwischen den Orten Dieppe und Le Tréport am Ärmelkanal.

Auslöser für den Feueralarm waren zwei kleinere Brandherde. Auslaufendes Öl einer Pumpe im Kühlkreislauf habe sich gegen Mittag erhitzt, sagte eine Sprecherin. Die Folge seien kleinere Stichflammen gewesen. Alles sei gründlich inspiziert und den Aufsichtsbehörden mitgeteilt worden.

In einer offiziellen Erklärung der Betreiber heißt es, der Alarm sei aufgrund der Rauchentwicklung in einem Reaktorgebäude der Produktionseinheit Nummer zwei ausgelöst worden. Daraufhin sei der Reaktor automatisch gestoppt worden. Feuerwehrleute hätten zwei Brandherde gelöscht.

Greenpeace warnt vor veralteten Reaktoren

Sophie Majnoni, Atomkraftwerk-Expertin von Greenpeace Frankreich, sagte BFM, der Vorfall sei bislang einzigartig in der Geschichte der Vorfälle in französischen Anlagen. „EDF muss erklären, warum es diese bedrohlichen Rauchwolken überhaupt gegeben hat.“ Die Kühlanlagen seien ein sehr sensibler Punkt der Atomanlagen. „Der gesamte Reaktor-Park Frankreichs ist veraltet und Vorfälle sind an der Tagesordnung“, so Majnoni.

Frankreich ist nach den USA weltweit das größte Betreiberland von Atomkraftwerken. Es bezieht rund 75 Prozent seines Stroms aus Nuklearkraftwerken. Trotz der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hält Präsident Nicolas Sarkozy an der Kernkraft als Hauptenergiequelle des Landes fest. Der Vorfall in der 30 Jahre alten Anlage könnte die Debatte um die Zukunft der Atomkraft im Nachbarland zwei Wochen vor der Wahl neu anheizen. Doch auch Sarkozys Herausforderer, der Sozialist Francois Hollande, will nicht auf Kernkraft verzichten, aber zumindest den Anteil der Atomkraft langfristig von 75 auf 50 Prozent verringern.