Verkehrspolitik

NRW-Grüne fordern Tempolimit auf Autobahnen

Nach dem Willen der Grünen in Nordrhein-Westfalen soll auf Autobahnen nicht schneller als 120 km/h gefahren werden. Der ADAC gibt Kontra.

Foto: DAPD

Auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen soll nach dem Willen der Grünen künftig nicht schneller als 120 Stundenkilometer gefahren werden. Das sorge für weniger Unfälle und weniger Lärm und diene dem Klimaschutz, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Arndt Klocke, der „Rheinischen Post“. Widerspruch kommt vom ADAC und von der FDP.

Falls es nach der Landtagswahl am 13. Mai zu einer Neuauflage der rot-grünen Landesregierung kommt, wolle seine Partei die Tempobegrenzung im Koalitionsvertrag festschreiben, sagte Klocke und kündigte an: „Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass eine künftige rot-grüne Landesregierung eine Bundesratsinitiative startet mit dem Ziel, ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern bundesweit einzuführen.“

Laut Weltgesundheitsorganisation könnten in der EU jedes Jahr 5000 bis 6000 Leben gerettet werden, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit nur um drei Stundenkilometer gesenkt würde, erklärte Klocke. Auf Autobahn-Teststrecken in Deutschland, auf denen Tempo 130 gelte, seien 30 Prozent weniger Unfälle festgestellt worden als auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Auch die positiven Klimaschutz-Effekte von Tempolimits seien wissenschaftlich unumstritten, so der Grünen-Politiker. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes senke eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 120 Kilometer pro Stunde die Kohlendioxid-Emissionen um neun Prozent. Der Ausstoß anderer Schadstoffe gehe um bis zu 28 Prozent zurück.

SPD reagiert zurückhaltend auf Forderung

Die SPD äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorstoß. „Wir wollen Geschwindigkeitsbegrenzungen dort ausweiten, wo es dem Lärmschutz dient“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, der Zeitung. Die FDP hält laut ihrem verkehrspolitischen Sprecher Christof Rasche Tempobegrenzungen nur in Zeiten hoher Verkehrsdichte für sinnvoll: „Abends, wenn die Straßen frei sind, benötigen wir keine Begrenzung.“

Der Automobilclub ADAC bestreitet einen Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und mehr Sicherheit auf Autobahnen. Um die Opferzahlen zu senken, sollten statt der Autobahnen eher die Landstraßen in den Blick genommen werden, wo 60 Prozent aller Verkehrstoten zu beklagen seien, sagte eine Sprecherin des ADAC Nordrhein der „Rheinischen Post“.

Den Einspareffekt beim Ausstoß von Treibhausgasen durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung hält sie für „marginal“, weil der Pkw-Verkehr lediglich zwölf Prozent der Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland verursache. Effektiver seien steuerliche Anreize zum Kauf von Autos, die weniger Sprit verbrauchen.