Linkspartei

Schlappe für Oskar Lafontaine in der Heimat

In den Landtag hat es die Linke geschafft, doch die Partei musste trotz Oskar-Faktor Federn lassen. Auf eine Regierungsbeteiligung hat sie keine Chance

Gegen Ende des Wahlkampfs ging die Linke mit dem Bild von einem Hochzeitspaar ins Rennen. Darauf duckte sich ein dank Fototechnik seltsam zarter Ehemann hinter einer unbedarft blickenden Braut weg. Auf die Körper des Paares waren die Köpfe von Heiko Maas und Annegret Kramp-Karrenbauer montiert. Die Broschüre der Saar-Linken drückt ziemlich genau aus, wie ihr Spitzenkandidat Oskar Lafontaine die Konkurrenz sieht.

Diese Überheblichkeit hat sich nicht ausgezahlt. Bei der Landtagswahl hat die Linke deutlich Stimmen verloren. 2009 hatte sie noch 21,3 Prozent erhalten und war triumphierend mit elf Mandaten in den Landtag eingezogen. Wie damals hatte sie auch diesmal ganz auf ihren Frontmann Lafontaine gesetzt.

Trotz des Ergebnisses gab sich die Linke-Führung zufrieden. Entscheidend sei, dass es eine „Mehrheit links von der CDU“ gebe, sagte Parteichefin Gesine Lötzsch. Diese müsse nun genutzt werden. Zur künftigen Rolle Lafontaines in der Bundespartei wollte sie sich nicht äußern

Lafontaine gab Gottvater des Saarlands

Der 68-Jährige hatte im Wahlkampf noch einmal seine Lieblingsrolle gegeben – den Gottvater des Saarlands. Von 1976 bis 1985 war er, damals noch als Sozialdemokrat, in Saarbrücken Oberbürgermeister, danach 13 Jahre lang Ministerpräsident.

Dass er den Wahlkampf deshalb für ein Heimspiel hielt, ließ er denn auch deutlich erkennen. War er mit Journalisten in der Landeshauptstadt unterwegs, zeigte er gern auf Häuser und Plätze und erzählte, dass er sie damals gestalten ließ.

„Alles meins“, sollte das heißen. Seinen früheren politischen Ziehsohn Heiko Maas nannte er abfällig „Heikochen“ und machte klar, dass er gern auch ohne ihn an einer linken Regierung beteiligt sei. Traf er auf potenzielle Wähler, ließ er sich mit ihnen von einem Helfer mit der Polaroidkamera fotografieren.

Älter werden mit Oskar

Manche Saarländer haben zu Hause Fotogalerien, die zeigen, wie sie gemeinsam mit Oskar älter wurden. An Karneval ist Lafontaine in Anspielung auf seinen Spitznamen („Napoleon von der Saar“) als der französische Kaiser aufgetreten.

In Wirklichkeit geht es Oskar Lafontaine nicht mehr ums Saarland. Denn das hat er bereits vor langer Zeit erobert. Nach der Genesung von seiner Krebserkrankung will der Ex-Linke-Chef wieder richtig auf die Bundesbühne zurück, auch wenn er sich offiziell noch nicht erklärt hat.

Doch nicht alle in der Linken würden die Rückkehr begrüßen. Deshalb ist es für Lafontaine strategisch wichtig, dass er gerufen wird. Die Saarland-Wahl sollte ihm dafür den Rücken stärken. Das mäßige Abschneiden wird ihm den Versuch eines Comebacks nicht gerade erleichtern.