Blutbad mit 16 Toten

US-Soldat vor Amoklauf offenbar traumatisiert

| Lesedauer: 4 Minuten

Der eines Amoklaufs in Afghanistan mit 16 Toten beschuldigte US-Soldat soll traumatisiert gewesen sein. Er habe mitansehen müssen, wie ein Freund bei einer Explosion ein Bein verloren habe. Unterdessen beklagen die Afghanen den Tod zweier Mädchen, nachdem ein Isaf-Hubschrauber in ein Haus in Kabul gestürzt war.

Nach dem Amoklauf mit 16 getöteten afghanischen Zivilisten sind neue Details über den mutmaßlichen Täter bekannt geworden. Den US-Soldaten habe die Verletzung eines Kameraden bei einer Explosion am Tag vor der Tat sehr mitgenommen, sagte sein Anwalt John Henry Browne am Donnerstag (Ortszeit). Der 38-jährige Familienvater habe wegen seines Auslandseinsatzes unter Stress gelitten, sei aber zur Tatzeit nicht betrunken gewesen.

Sein Mandant sei unglücklich darüber gewesen, dass er nach seinen drei Einsätzen im Irak im Dezember nochmals in ein Kampfgebiet entsendet worden sei. „Seine Familie hat darauf gezählt, dass er nicht noch einmal ins Ausland verlegt wird und das hat sich dann praktisch über Nacht geändert“, sagte Browne.

Während seiner vorherigen Einsätze im Irak hatte der US-Soldat Verletzungen am Kopf und an einem Fuß erlitten. Am Samstag vor einer Woche musste er einem Medienbericht zufolge dann mitansehen, wie einem Freund bei einer Explosion ein Bein verlor. Diese habe ihn schockiert, sagte sein Anwalt.

Browne wies einen Bericht der "New York Times“ zurück, wonach laut einem US-Vertreter eine „Kombination aus Stress, Alkohol und häuslichen Problemen“ Ursache für den Amoklauf war. Er habe keine Informationen, dass Alkohol eine Rolle gespielt habe, sagte der Anwalt. Zudem habe es keinen Streit mit der Frau gegeben. Gespräche mit der Familie des 38-Jährigen hätten darüber hinaus ergeben, dass sein Mandant keinen Hass auf Muslime gehegt habe.

Allerdings könne er sich gut vorstellen, dass der mutmaßliche Amokläufer unter Stress gestanden habe. „Wer würde in einem kleinen Camp mit 20 Leuten mitten im Nirgendwo in Afghanistan nicht unter Stress stehen?“, fragte Browne.

Der Soldat soll am Sonntagmorgen seinen Stützpunkt in der südafghanischen Provinz Kandahar verlassen und insgesamt 16 Dorfbewohner ermordet haben, darunter zahlreiche Kinder und Frauen. Nach der Tat kehrte er in das Lager zurück, wo er sich widerstandslos festnehmen ließ. Inzwischen wurde er nach Kuwait ausgeflogen. Ihm droht ein Prozess vor einem Militärgericht. Bisher wurde er noch nicht angeklagt.

Der Amoklauf ist eine weitere Belastung für die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Afghanistan und den USA. Um die Wogen zu glätten, war US-Verteidigungsminister Leon Panetta in dieser Woche nach Afghanistan gereist. In der Militärbasis in der Südprovinz Helmand ereignete sich während der Landung Panettas am Mittwoch ein Anschlagsversuch. Wie das US-Militär am Freitag bekanntgab, richtete sich dieser gegen einen ranghohen US-General, der auf der Landebahn auf den Minister gewartet hatte.

14 Tote bei Absturz von türkischem Nato-Hubschrauber in Afghanistan

Beim Absturz eines türkischen Nato-Hubschraubers sind in Afghanistan zwölf Soldaten und zwei Zivilisten getötet worden. Der Helikopter stürzte nach Polizeiangaben am Freitagvormittag aus noch ungeklärter Ursache in ein Haus nahe der Hauptstadt Kabul und fing Feuer. Die Nato schloss nach ersten Erkenntnissen einen Angriff als mögliche Absturzursache aus.

Bei den beiden getöteten Zivilisten handelte es sich um zwei Frauen, die an der Unglücksstelle lebten, wie das Innenministerium in Kabul mitteilte. Die Insassen des Hubschraubers vom Typ Sikorsky stammten aus der Türkei.

Die Trümmerteile sollen nun genau untersucht werden, um die Unglücksursache zu klären. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sprach von einem möglichen „Unfall bei einer Notlandung“. Die Nato-Truppe Isaf schloss ihrerseits einen Angriff vorerst aus. Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass es zum Absturzzeitpunkt „keine Feindesaktivität“ gegeben habe, erklärte sie.

Die Türkei ist mit 1850 Soldaten am internationalen Afghanistan-Einsatz beteiligt. In Kabul führen die türkischen Truppen das dortige Regionalkommando.

( AFP/dapd/nbo )

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