Elf Millionen Tonnen Nahrung im Müll

Aigner beklagt sinnlose Lebensmittelverschwendung

In Deutschland landen laut einer Studie jährlich knapp elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Nach der Untersuchung der Universität Stuttgart entsorgt jeder Bundesbürger pro Jahr durchschnittlich 81,6 Kilogramm im Wert von 235 Euro. Ministerin Aigner will mit der Kampagne "Zu gut für die Tonne" dagegen vorgehen.

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Die Wegwerfgesellschaft in Zahlen: Jeder Bundesbürger schmeißt pro Jahr fast 82 Kilo . Allein der vermeidbare Abfall kostet pro Kopf 235 Euro im Jahr. In den Privathaushalten entstehen 61 Prozent der insgesamt anfallenden elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfall. Das ermittelte jetzt die Universität Stuttgart für das Bundesverbraucherministerium. Vor diesem Hintergrund kündigte Ministerin Ilse Aigner am Dienstag in Berlin einen verstärkten Kampf der „unerträglichen“ Verschwendung an.

Die CSU-Ministerin sagte: „In Deutschland und Europa wird viel zu viel weggeworfen, wertlos gemacht, vernichtet. Jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, die Verschwendung wertvoller Ressourcen zu stoppen.“ Es sei Zeit für einen Bewusstseinswandel.

Aigner appellierte an die Verbraucher, mehr Wertschätzung für Lebensmittel aufzubringen. Sie sollten nicht nur auf den niedrigsten Preis zu achten. Der Verbraucher sollte sich schon beim Einkaufen überlegen, ob die Produkte in der günstigen Großpackung wirklich auch aufgebraucht werden. In manchen Fällen, vor allem für kleine Haushalte, sei die vermeintlich teuere Kleinpackung letztendlich günstiger.

Obst und Gemüse: 44 Prozent der vermeidbaren Abfälle Privater

Laut der Studie fallen jeweils 17 Prozent der Lebensmittelabfälle bei Großverbrauchern und der Industrie an. Der Handel ist nur für fünf Prozent verantwortlich. In den Privathaushalten machen Gemüse mit 26 Prozent und Obst mit 18 Prozent einen Großteil des vermeidbaren Mülls aus. 15 Prozent des Weggeworfenen sind Backwaren und 12 Prozent andere Speisereste. Milchprodukte machen 8 Prozent und Fleisch und Fisch 6 Prozent aus.

Die komplette Studie soll am 27. März auf einer Fachkonferenz in Berlin vorgestellt werden. Aigner holt dazu Vertreter der Agrarwirtschaft, der Industrie, des Handels, der Verbraucher und der Gastronomie an einen Tisch, um über Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung beraten. Alle müssten an einem Strang ziehen, forderte sie. „Für Deutschland sehe ich die Chance, ein breites Bündnis zu schmieden“.

Aigner verwies darauf, dass auch die EU-Kommission und das Europaparlament an Vorschlägen zur Reduzierung der Wegwerfraten arbeiteten. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass in der EU alle noch bestehenden Vermarktungsnormen etwa für Tomaten, Salat, und Erdbeeren fallen: „Irgendwelche Normen dürfen kein Vorwand sein, Agrarprodukte unterzupflügen oder einfach wegzuwerfen“.

Kampagne zum Mindesthaltbarkeitsdatum

In Deutschland startet Aigner gemeinsam mit dem Lebensmittelhandel eine Kampagne unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“. Sie solle Verbraucher aufklären und informieren. Ein Thema werde etwa eine sinnvolle Resteverwertung sein.

Außerdem gehe es auch wieder um das Mindesthaltbarkeitsdatum etwa auf Milchprodukten und Konserven. Dieses Datum gebe eine Orientierung, werde von vielen Verbrauchern aber fasch verstanden und mit dem Verfallsdatum verwechselt, das zum Beispiel auf Hackfleischpackungen angegeben werden muss.

Kurzfassung der Studie: http://url.dapd.de/LyKw7i

Weitere Informationen des Verbraucherministerium: http://www.bmelv.de