Kundgebung in Moskau

Anti-Putin-Protest verliert an Schwung

Mehr als 20.000 Menschen haben in Moskau gegen Putin protestiert. Bei vergleichbaren Kundgebungen hat die Opposition vor der Präsidentschaftswahl allerdings weitaus mehr Moskauer auf die Straße gelockt. Die Teilnehmer schwanken nun zwischen Sorge und Zuversicht.

Foto: AFP

Mehr als 20.000 Menschen haben am Samstag in der Moskauer Innenstadt gegen Wahlbetrug und für den Rücktritt Wladimir Putins protestiert. Von der Stadt genehmigt war eine Demonstration mit bis zu 50.000 Teilnehmern. Die Protestbewegung steht eine Woche nach der Wahl Putins zum russischen Präsidenten am Scheideweg: Die im Vergleich zu vorherigen Protesten relativ geringe Beteiligung legte nahe, dass die Oppositionsbewegung an Schwung verloren hat.

„Wenn wir ein gewaltiges Wachstum erreichen, wenn 100.000 Leute kommen, dann werden wir schnell Ergebnisse bekommen“, sagte Sergej Udalzow, einer der Führer der Protestbewegung, am Freitag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. „Wenn es nicht so viele sein werden, wird es ein längerer Weg.“

Die Proteste hatten nach der Parlamentswahl im vergangenen Dezember begonnen, Zehntausende gingen gegen mutmaßlichen Wahlbetrug auf die Straße. Es waren die größten Demonstrationen seit dem Ende der Sowjetunion vor 20 Jahren. Udalzow sagte, auch Putins Wahl am vergangenen Sonntag sei nicht fair gewesen. Das Motto der Kundgebung am Sonnabend laute: „Das war keine Wahl. Das ist kein Präsident.“

Teilnehmer schwanken zwischen Sorge und Zuversicht

Ähnlich äußerte sich der Oppositionsführer und frühere Schachweltmeister Garry Kasparow: „Das war die besondere Operation eines Verbrechers, der zurück in den Kreml wollte.“ Enttäuschung auch beim Schauspieler Maksim Witorgan. „Wir alle hier wurden gedemütigt und beleidigt“, sagte der Künstler, der als einer von tausenden Wahlbeobachtern an der Präsidentschaftswahl teilgenommen hatte. „Wir kennen die Wahrheit, aber was stellen wir damit an?“, fügte Witorgan besorgt darüber hinzu, dass die Oppositionsbewegung ihre Stimme verliert.

Andere zeigten sich weiter optimistisch, wie der 19-jährige Michail Solontsew, der seit Dezember an den Protesten teilnimmt. „Es hängt von uns ab, ob er (Putin) zurücktritt oder nicht, aber er hat bereits Angst vor uns“, sagte der Student.