US-Vorwahlen

Ein blaues Auge für Mitt Romney am "Super Tuesday"

Im Kampf der US-Republikaner um die Präsidentschaftsnominierung hat Favorit Mitt Romney wichtige Siege errungen. Doch seine Erfolge haben erhebliche Schönheitsfehler.

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Beim "Super Tuesday“ mit Vorwahlen in insgesamt zehn US-Bundesstaaten ist der Favorit um die republikanische Präsidentschaftsnominierung, Mitt Romney, mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Ex-Gouverneur siegte im besonders hart umkämpften "swing state“ Ohio. Aber er konnte dort seinen stärksten Verfolger Rick Santorum, der während der Stimmenauszählung lange geführt hatte, nur denkbar knapp mit 38 zu 37 Prozent schlagen.

Bei der Zahl der Delegierten legte Romney immerhin zu. Er führt mit 373 Delegierten vor Santorum, der auf 157 kommt. Insgesamt sind allerdings 1144 Wahlleute zur Nominierung nötig.

Nach "Super Tuesday" ein Viertel der Wahlleute nominiert

Am Dienstag triumphierte Romney in sechs Staaten, darunter mit einer Mehrheit von nahezu drei Vierteln aller Wählerstimmen in Massachusetts, wo er einst Gouverneur war. Neben Ohio kamen Idaho, Vermont und Virginia hinzu.

Santorum, ein ehemaliger Senator aus Pennsylvania, konnte mindestens drei Staaten für sich entscheiden, nämlich North Dakota, Tennessee und Oklahoma.

Newt Gingrich, Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses, holte die Mehrheit zumindest in seiner Heimatstaat Georgia. Der vierte Bewerber um die Präsidentschaftsnominierung, der texanische Kongressabgeordnete Ron Paul, konnte nach dem vorläufigem Stand der Auszählungen keinen Sieg einfahren. Paul will aber ebenso wie Gingrich seinen parteiinternen Wahlkampf offenkundig fortsetzen.

Mit dem "Super Tuesday", an dem insgesamt 419 Delegierte für den Nominierungsparteitag Ende August in Tampa/Florida zu gewinnen waren, haben 21 der 50 Bundesstaaten Vorwahlen durchgeführt und bislang etwa ein Viertel der Wahlleute nominiert.

Spannende Zitterpartie in Ohio

Weil „der Weg ins Weiße Haus durch Ohio führt“, wie Wahlexperten seit Monaten voraussagen, wurde der Wahlausgang in dem sogenannten „swing state“ im mittleren Westen mit besonderer Spannung verfolgt.

Der moderate Romney lag in der ersten Wählerbefragung nach Schließung der Wahllokale im dort erwarteten Zweikampf mit nur einem Prozentpunkt vor dem konservativen Santorum.

Nach der Auszählung von etwa einem Viertel der Stimmen schob sich jedoch Santorum mit einem Vorsprung von zunächst zwei Prozentpunkten an ihm vorbei. Der Vorsprung wuchs auf drei Prozentpunkte (39 zu 36 Prozent) nach Auszählung von einem Drittel der Stimmen. So sah das Bild auch noch auf der Basis von über 50 Prozent ausgezählter Stimmen aus.

Doch dann trafen die Resultate aus den bevölkerungsreichen Regionen mit urbaneren Strukturen ein, in denen Romney favorisiert war. Folgerichtig schrumpfte Santorums Führung auf zwei Prozentpunkte und nach Auszählung von knapp vier Fünfteln der Bezirke auf einen einzigen Punkt. Nach 84 Prozent ausgewerteten Stimmen lagen beide Kandidaten gleichauf bei 37 Prozent.

Zu diesem Zeitpunkt führte Santorum nur noch nach absoluten Stimmen mit 358.742 zu 356.172. Dann aber wurden exklusiv vor den Kameras des Fernsehsenders CNN die Ergebnisse aus dem Hamilton County verkündet, und dort schnitt Romney um nahezu 16.000 Stimmen besser als Santorum ab. Damit hatte sich der Favorit gewissermaßen auf der Zielgerade wieder an die Spitze geschoben.

Katholik Santorum nimmt Obama ins Visier

Als "swing states" gelten in den USA Bundesstaaten, in denen Republikaner und Demokraten über nahezu gleich große Anhängerschaften verfügen, Mehrheiten nicht stabil sind und Wechselwähler den Ausschlag geben.

Darum sind diese Staaten nicht nur wichtig für die Nominierung, sondern ebenso für die eigentliche Präsidentschaftswahl. 2008 siegte Barack Obama in Ohio mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung über den republikanischen Kandidaten John McCain. 2004 landete George W. Bush mit nur zwei Prozentpunkten vor seinem demokratischen Herausforderer John Kerry.

Obamas Politik und vor allem seine Gesundheitsreform sei „der Anfang vom Ende der Freiheit in Amerika“, warnte Santorum seine Anhänger vor seiner Wahlkampfzentrale in Steubenville/Ohio.

Der Katholik, der erneut unter evangelikalen und sehr konservativen Wählern gut abschnitt, nimmt mit seinen ständigen Attacken auf „Obamacare“ aber mindestens ebenso stark seinen Konkurrenten Romney ins Visier.

Der habe in Massachusetts eine ähnliche Reform durchgeführt und dem Präsidenten zur Nachahmung förmlich empfohlen. „Wenn die Regierung anfängt, sich um dein Leben zu kümmern, dann haben sie dich!“, so Santorum.

Romney gratulierte zu einem Zeitpunkt, als das Resultat von Ohio noch nicht bekannt war, seinen drei Konkurrenten Santorum, Gingrich und Paul generös zu ihren Ergebnissen. Danach konzentrierte sich der Mormone ganz auf Obama. Zur aktuellen Arbeitslosenquote sagte Romney: „Amerika kann es besser machen als die derzeitigen acht Prozent, aber diese Regierung kann es nicht besser machen.“

"Ich stehe bereit, diese Nation zu Wohlstand zu führen"

Der einstige Investmentunternehmer versprach, als Präsident „das amerikanische Versprechen zu erneuern“. Er werde die Schulden reduzieren, neue Arbeitsplätze schaffen und Obamacare abschaffen, wiederholte Romney das dreieinige Mantra aller republikanischen Kandidaten.

„Ich stehe bereit, unsere Partei zu führen, und ich stehe bereit, diese Nation zu Wohlstand zu führen“, sagte der Multimillionär.

Der libertäre Paul engagierte sich besonders intensiv beim Caucus in North Dakota, wo er Romney und Gingrich besiegte und hinter Santorum immerhin den zweiten Platz belegte. Erneut forderte Paul vor Caucus-Besuchern die Abschaffung der Federal Reserve, der US-Bundesbank, und warb für eine Außenpolitik ohne militärische Interventionen.

Die Kriege der letzten Jahre, insbesondere in Afghanistan und Irak, hätten die Staatsschulden um vier Trillionen Dollar erhöht und die Nation viele Tausende an Toten, Schwerverletzten und Traumatisierten gekostet, so Paul.

Romneys Ergebnisse vom "Super Tuesday" sehen nur auf den ersten Blick überzeugend aus. Er gewann sein Heimspiel in Massachusetts ausgesprochen überzeugend, ließ in Ohio Santorum knapp hinter sich und baute seine Führung an der Delegiertenfront aus. Dort liegt er nun mit 372 Stimmen vor Santorum (157), Gingrich (98) und Paul (60).

Siege mit erheblichen Schönheitsfehlern

Aber Romneys Siege, auch im Staat Alaska, haben eben erhebliche Schönheitsfehler. Zudem ist einer seiner Triumphe, nämlich der in Virginia, wenig aussagekräftig, weil dort Santorum und Gingrich wegen fehlender Unterstützerunterschriften nicht angetreten waren.

Zum anderen, und das ist gewichtiger, wäre Romneys Sieg unter anderem in Ohio kaum zustande gekommen, wenn die Stimmen der konservativen Republikaner-Wähler nicht zwischen Santorum und vor allem Gingrich aufgesplittet worden wären.

Gingrich kam in dem "swing state" immerhin auf 15 Prozent. Sollte er sich in dem kommenden Wochen aus dem Rennen zurückziehen, würden viele seiner Wähler mutmaßlich zu Santorum überlaufen und das Lager des Ex-Senators noch einmal deutlich stärken.