Bundespräsidentenkandidat

Union bereitet Joachim Gauck herzlichen Empfang

Zuerst sperrt sich Merkel gegen den Kandidaten. Jetzt scherzt sie mit Joachim Gauck bei seinem Auftritt in der Unions-Fraktion. Die Präsidentenmacher von der FDP können den Besuch auskosten.

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Betont herzlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den von ihr zunächst abgelehnten Bundespräsidentenkandidaten Joachim Gauck als Gast in der Unions-Fraktion begrüßt. Beide scherzten und lachten am Dienstag miteinander, bevor sich der DDR-Bürgerrechtler den Fragen der Unionsabgeordneten stellte. Die FDP-Fraktion konnte den Besuch Gaucks auskosten, hatte die Liberalen doch den 72-Jährigen gegen den Widerstand der Union als Kandidaten durchgesetzt.

Nach dem 45-minütigen Besuch in der Unions-Fraktion sagte Gauck: „Ein Gefühl von Fremdheit ist gar nicht erst aufgekommen.“ Er sprach von einem „sehr wachen Zuhören“. Kritische Fragen habe es nicht gegeben. Teilnehmer berichteten, Gauck habe beim Abschied und auch während seiner Ansprache viel Applaus erhalten. Gauck sagte unter anderem: „Die Union hat die Idee der Freiheit nie dem Zeitgeist geopfert.“ Das verbinde ihn mit der Union. „Es gibt keine größere Distanz zwischen dem Kandidaten und Ihren Wertvorstellungen.“

Nachdem Merkel Gauck zunächst nicht als Kandidaten wollte, hatte sie ihn auf Druck der FDP schließlich als Nachfolgekandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen für den zurückgetretenen Christian Wulff präsentiert. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier betonte: „Joachim Gauck hat in den letzten Tagen durch seine Auftritte viel Vertrauen und Respekt gewonnen.“ Gauck soll am 18. März zum neuen Präsidenten gewählt werden. Die Linke stellt die als Nazi-Jägerin bekanntgewordene Beate Klarsfeld als Gegenkandidatin auf.

Bei der SPD wurde Gauck anschließend mit viel Beifall empfangen. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: „Wir stehen zu diesem Kandidaten – vor zwei Jahren genauso wie heute.“ Gauck sei ein „Lehrer der Demokratie“.

Bei einem Besuch der Grünen zeigte sich, dass die Öko-Partei und Gauck nicht in allen politischen Bereichen übereinstimmen. Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir erklärten nach dem Treffen: „Das Gespräch mit Joachim Gauck war spannend, konstruktiv und sehr fruchtbar. Wir haben dabei viele Gemeinsamkeiten, aber durchaus auch unterschiedliche Positionen mit dem Kandidaten festgestellt.“

Gauck, der von den Grünen bereits bei der Wahl vor zwei Jahren als Kandidat ins Gespräch gebracht worden war, habe alle Voraussetzungen dafür, dem Amt des Bundespräsidenten wieder Glaubwürdigkeit und moralische Überzeugungskraft zurückzugeben.

Die Linke lud Gauck für nächsten Dienstag zu einem Gespräch ein. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hält Klarsfeld für eine hervorragende Kandidatin. „Sie konfrontiert alle mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft unserer Gesellschaft“, sagte Gysi. Klarsfeld wird sich voraussichtlich an diesem Donnerstag offiziell in der Linksfraktion vorstellen. Er gehe davon aus, dass die Wahlfrauen und Wahlmänner der Linken in der Bundesversammlung geschlossen für Klarsfeld stimmen und sie auch Stimmen aus anderen Lagern bekommt, sagte Gysi.