Russland

Putin-Gegner bringen sich in Moskau in Stellung

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Foto: REUTERS

Eine Woche vor der Präsidentenwahl in Russland haben Kremlgegner zu Zehntausenden gegen Kandidat Putin protestiert. Für Aufsehen sorgte dabei ein Zwischenfall in Moskaus Erlöserkathedrale. Zudem behauptet eine neue Biografie, Putin habe in den 80er-Jahren Kontakt zu der RAF unterhalten.

Eine Woche vor der Präsidentenwahl in Russland haben Zehntausende mit einer Menschenkette in der Moskauer Innenstadt gegen die Rückkehr von Ministerpräsident Wladimir Putin ins höchste Staatsamt demonstriert. Die Teilnehmer standen am Sonntag Seite an Seite auf der 16 Kilometer langen Ringstraße, die das Zentrum umrundet. Viele trugen weiße Bänder. Die Farbe Weiß ist zum Symbol der größten Oppositionsbewegung seit Putin vor zwölf Jahren an die Macht kam.

Die Demonstranten riefen „Russland ohne Putin“. „Putin kann gar nicht gewinnen, wenn es ehrlich zugeht“, sagte Jewgenija Tschirikowa, eine der Organisatorinnen der Kampagne. Während die Polizei von 11.000 Teilnehmern sprach, kamen die Organisatoren auf 40.000 Menschen. Am Sonnabend waren bereits etwa 3500 Russen in Putins Heimatstadt St. Petersburg auf die Straße gegangen.

Für Aufsehen sorgte ein Anti-Putin-Protest der vermummten Frauen-Punk-Band Pussy Riots, die in die Moskauer Erlöserkathedrale eindrang. Das Mutterhaus der russisch-orthodoxen Kirche gilt als nationales Heiligtum. Die Band führte ein Punk-Gebet auf mit dem Wunsch, dass Putins Herrschaft ende, wie ein im Internet verbreitetes Video zeigt. Die Polizei leitete ein Verfahren wegen Rowdytums gegen die geflüchteten Frauen ein.

Ex-Schachweltmeister Kasparov protestiert

Gegen mögliche Fälschungen bei der Präsidentenwahl hatten bereits am Sonnabend in St. Petersburg auch Kremlgegner und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow sowie der prominente Anwalt und Blogger Alexej Nawalny protestiert. Die „Revolution“, die Russland brauche, müsse ohne Gewalt vonstattengehen, sagte Nawalny. Das Internetportal kasparov.ru gab die Zahl der Demonstranten mit 15 000 an, die Polizei dagegen sprach von nur von 2500 Menschen.

Umfragen zufolge wird der Regierungschef die Abstimmung am 4. März bereits im ersten Wahlgang für sich entscheiden. Der 59-Jährige hatte das Präsidentenamt bereits von 2000 bis 2008 inne. Die seit den von Fälschungsvorwürfen begleiteten Parlamentswahlen im Dezember anhaltenden Proteste signalisieren die wachsende Unzufriedenheit in Russland. Vor allem wird kritisiert, dass das System von einem Politiker allein dominiert werde und Korruption an der Tagesordnung sei.

Putin-Biografin: Kontakt zur RAF unterhalten

Unterdessen wird spekuliert, dass Putin in seiner Zeit als Agent des russischen Geheimdienstes KGB in Dresden Kontakt zur Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion“ (RAF) unterhalten habe. Das behauptet die russisch-amerikanische Autorin Masha Gessen in ihrer Putin-Biografie „Der Mann ohne Gesicht“, die am 1.März im Piper-Verlag erscheint und über die „Newsweek“ jetzt berichtet. Putin lebte von 1985 bis 1990 in Dresden.

Gessen legt nahe, dass die RAF-Mitglieder die einzigen Westkontakte Putins waren, abgesehen von einigen Weststudenten an der TU Dresden, die das KGB vergeblich anzuwerben versuchte. Die Autorin zitiert ein anonymes RAF-Mitglied mit den Worten, Putin habe von den Terroristen Grundig- und Blaupunkt-Radios erbeten und erhalten. „Er hat sich dauernd solche Sachen gewünscht“, sagte das RAF-Mitglied. Welche Aufgaben Putin der Terrorgruppe gegeben haben könnte, geht aus „Newsweek“ nicht hervor.

Die RAF hatte 1977 versucht, ein Atomdepot in Gießen zu stürmen. 1979 verübte sie einen Anschlag auf Nato-General Alexander Haig und 1981 auf den US-Befehlshaber Europa-Mitte, General Frederick Kroesen. Am 8. August 1985 ermordete die RAF den US-Soldaten Edward Pimental und verschaffte sich mit seinen Papieren Zugang zur Rhein-Main-Luftwaffenbasis. Dort tötete sie mit einer Autobombe zwei Amerikaner

( dpa/rtr/bee )

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