Nach Todesfällen

Nato zieht Personal aus afghanischen Ministerien ab

Zwei hochranginge US-Militärberater sind am Sonnabend im afghanischen Innenministerium erschossen worden. Als Konsequenz zieht die Nato ihr Personal aus den Ministerien ab. Seit der Koran-Verbrennung durch US-Soldaten am Dienstag sind 28 Menschen gestorben.

Foto: AFP

Nach einem Angriff auf das Innenministerium in Kabul mit zwei Toten zieht die Nato ihr Personal aus afghanischen Ministerien aus Sicherheitsgründen ab. Das teilte NATO-Kommandeur John Allen am Sonnabend mit. Die Nato ermittle und werde alles daran setzen, den Täter zu finden.

Zwei US-Militärberater waren am Sonnabend im Innenministerium erschossen worden. US-Angaben zufolge konnte der Täter flüchten. Zwei afghanische Behördenvertreter hatten erklärt, an der Schießerei seien keine Afghanen beteiligt gewesen. Die Schießerei habe sich in einem Sicherheitsraum zugetragen, zu dem Afghanen keinen Zutritt hätten. Ein Nato-Sprecher sagte indes, ersten Berichten zufolge handele es sich bei dem Schützen nicht um jemandem aus dem Westen.

Ersten Medienberichten zufolge soll es sich um hochrangige US-Militärberater handeln. Vorausgegangen sei ein Streit, sagte ein Mitarbeiter des Ministeriums in Kabul. Die Nato bestätigte einen Vorfall in Kabul. Über die Nationalität der Opfer machte sie aber keine Angaben.

„Anfängliche Berichte deuten darauf hin, dass eine Person seine Waffe auf Mitglieder der Internationalen Schutztruppe Isaf in der Stadt Kabul gerichtet und zwei von ihnen getötet hat“, sagte ein Nato-Sprecher. Das afghanische Innenministerium bestätigte, „zwei internationale Kollegen“ seien im Gebäude getötet worden. Ermittlungen seien bereits im Gange, hieß es weiter.

Lokalmedien in Afghanistan hatten berichtet, dass die beiden Getöteten Amerikaner seien. Bei dem Schützen handele es sich möglicherweise um einen afghanischen Polizisten, hieß es weiter.

Massive Proteste auch fünf Tage nach Koran-Verbrennung

Auch am Sonnabend haben den fünften Tag in Folge Tausende Menschen gegen die jüngste Verbrennung von Koranen auf einem US-Stützpunkt protestiert. In der Nordprovinz Kundus, wo deutsche Soldaten stationiert sind, in der Ostprovinz Laghman und in der Provinz Logar südlich von Kabul schlug der zunächst friedliche Protest in Ausschreitungen um.

Seit Beginn der Proteste am Dienstag wurden nach offiziellen Angaben mindestens 28 Menschen getötet. Hunderte wurden verletzt.

Tote in Kundus nach Gewaltausbruch

In Kundus feuerte die Polizei nach Angaben eines Sprechers in die Luft, um gewalttätige Demonstranten auseinander zu treiben. Nach zunächst friedlichem Protest attackierte die Menge Gebäude der Provinzregierung und ein UN-Büro mit Steinen. Der Leiter des örtlichen Gesundheitsamts, Saad Muchtar, sagte, bei dem Handgemenge seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, 50 weitere seien verletzt worden.

Die Proteste begannen, nachdem US-Soldaten auf einem Stützpunkt Exemplare des Korans verbrannt hatten, was als Gotteslästerung gilt. Nach Angaben der NATO waren die Korane am 19. Februar versehentlich zu einer Grube zur Müllverbrennung auf dem Stützpunkt Bagram nördlich von Kabul gebracht worden. US-Präsident Barack Obama bat um Entschuldigung und sprach von einem schrecklichen Fehler.

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