Gedenken

Deutschland hält eine Minute inne

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Foto: dpa / dpa/DPA

Mit einer Schweigeminute wurde um 12 Uhr bundesweit der zehn Opfer der rechtsextremistischen Mordserie in Deutschland gedacht. Bundeskanzlerin Merkel bat die Angehörigen der Getöteten um Entschuldigung.

Gut drei Monate nach Aufdeckung der beispiellosen Mordserie von Neonazis an Ausländern haben Staat und Gesellschaft Entschlossenheit bei der Abwehr des Rechtsextremismus demonstriert. Mit einem Staatsakt in Berlin wurde am Vormittag an die Opfer der Verbrechen erinnert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Angehörigen der ermordeten Menschen um Entschuldigung gebeten.

Zeitgleich mit der zentralen Veranstaltung wurden am Donnerstag 12 Uhr mit bundesweiten Schweigeminuten die zehn Menschen geehrt, die zwischen 2000 bis 2006 von Mitgliedern einer Neonazi-Zelle ermordet wurden. Dabei wurde auch an die Verletzten zweier Sprengstoffanschläge in Köln und alle anderen Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland erinnert. Dazu hatten Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsam aufgerufen. Vielerorts gab es Trauerbeflaggung.

Viele Institutionen in der Hauptstadt folgten dem Aufruf und ließen die Arbeit um 12.00 Uhr kurz ruhen. Busse und Straßenbahnen stoppten an Haltestellen, U- und S-Bahnen verharrten an Bahnsteigen. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg unterbrach seine Programme für eine Minute.

So wurde es still in der U-Bahnlinie 2 in Richtung Ruhleben. Fahrgäste senkten um 12 Uhr ihre Köpfe zum Boden und schwiegen. Andere nutzten die Ruhe zum Lesen. Bereits eine Minute vor 12 Uhr war der Zug in den U-Bahnhof Alexanderplatz eingefahren. Normalerweise geht es nach kurzem Stopp zum Ein- und Aussteigen rasch weiter. Doch am Donnerstag ertönte eine Lautsprecheransage: „Die BVG beteiligt sich an der bundesweiten Schweigeminute.“ Nach Angaben des Unternehmens sollten die Fahrer der U-Bahnen deshalb nicht im Tunnel stehen bleiben. Stattdessen waren sie aber angewiesen, für das Gedenken den nächsten Bahnhof anzufahren.

Opfer der Mordserie in verschiedenen deutschen Großstädten waren acht türkischstämmige und ein griechischer Kleinunternehmer sowie eine deutsche Polizeibeamtin. Zugeschrieben werden die Verbrechen drei mutmaßlichen Rechtsterroristen.

( dpa/dapd/sei )

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