Wulff-Nachfolge

Mehrheit für Gauck als Bundespräsident

Auf der Suche nach einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten wollen sich die Spitzen von Union und FDP am Sonntagmittag erneut im Kanzleramt treffen. Laut einer Umfrage sprechen sich 54 Prozent der Deutschen für den SPD-Favoriten Joachim Gauck aus. Er selbst schweigt zu den Spekulationen.

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Die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff geht am Sonntagmittag weiter. Die Spitzen der schwarz-gelben Koalition wollten sich um 13.00 Uhr im Kanzleramt treffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Koalitionskreisen erfuhr. Für den späten Nachmittag sei eine Einladung an die Opposition geplant. Bereits am Samstag hatten Vertreter der Koalition getagt. Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärte danach, die Gespräche seien noch nicht beendet.

Koalition und Opposition haben ihre Absicht erklärt, gemeinsam nach einem Kandidaten zu suchen. SPD-Chef Sigmar Gabriel warnte allerdings, dass Union und FDP nicht einen Namen vorlegen könnten, den die Opposition dann nur noch annehmen oder ablehnen könne. SPD und Grüne sprechen sich zudem dafür aus, keinen aktiven Bundesminister als Kandidaten aufzustellen. Sie favorisieren den früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck. In Koalitionskreisen war am Samstag auch der Theologe Wolfgang Huber im Gespräch.

„Rufen Sie doch Frau Merkel an“

Gauck äußert sich weiterhin nicht zu seinen Ambitionen. „Rufen Sie doch Frau Merkel an“, antwortete Gauck lachend am Sonntagvormittag vor einem Podiumsgespräch in Wien auf Journalistenfragen. „Ich habe doch zu diesem Thema die ganze Zeit nichts gesagt. Deshalb warte ich mal – bis morgen oder übermorgen. Schau'n wir mal.“

SPD-Vize: Merkel soll Gauck nicht ein zweites Mal verhindern

Die stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Manuela Schwesig sagte am Sonntag in Berlin, der nächste Bundespräsident müsse ein Präsident der Bürger sein. Joachim Gauck genießt ein hohes Vertrauen bei den Bürgern. „Für mich wäre es schwer einsehbar, wenn Frau Merkel Herrn Gauck ein zweites Mal verhindern wollte.“

54 Prozent der Deutschen für Gauck

Eine Mehrheit der Deutschen will den früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als Bundespräsidenten. 54 Prozent der Bürger sprachen sich bei eine Umfrage der „Bild am Sonntag“ für ihn aus. Der heute 72-Jährige unterlag bei der Präsidentenwahl 2010 knapp.

Jeweils 34 Prozent der Deutschen favorisierten der Zeitung zufolge Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) beziehungsweise den SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. 32 Prozent können sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gut als höchste Vertreterin des Staates vorstellen. Bei der repräsentativen Emnid-Erhebung, ging es um die Frage, wer der genannten Personen sich am besten für das Amt eigne.

Klaus Töpfer, CDU-Politiker und früherer Umweltminister, kam bei der Umfrage auf 28 Prozent, ebenso wie Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der aber schon abgelehnt hat. 27 Prozent der Bürger nannten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Auf den letzten Rängen fanden sich der CSU-Politiker Theo Waigle (20 Prozent), die Vizepräsidentin der Bundestags und Grünen-Politikerin, Katrin Göring-Eckardt, die auch in der evangelischen Kirche engagiert ist, (12 Prozent) sowie der Präsident des Bundesverfassungsgericht, Andreas Voßkuhle (sechs Prozent). Letzterer hat auch bereits signalisiert, dass er nicht ins Schloss Bellevue will. Nach dem früheren Ratsvorsitzenden der Evangelische Kirche in Deutschland, Altbischof Wolfgang Huber, der ebenfalls im Gespräch ist, wurde offenbar nicht gefragt.