Gauck, Voßkuhle, Lammert, Töpfer

Das sind die möglichen Wulff-Nachfolger

Die Kandidatenkür für die Wulff-Nachfolge befindet sich in einer heißen Phase. Wer wird der neue Bundespräsident. Morgenpost Online hat einen Überblick der potenziellen Kandidaten zusammengestellt.

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Soll ein früherer DDR-Bürgerrechtler und Theologe als Staatsoberhaupt Deutschland repräsentieren? Oder besser ein schöngeistiger Querkopf aus dem Ruhrpott? Wie wäre es mit einer ostdeutschen Protestantin als Hausherrin in Schloss Bellevue? Oder ist ein gänzlich politikferner Spezialist für Verwaltungsrecht und Rechtstheorie der Richtige? Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge von Ex-Bundespräsident Christian Wulff kommt in Schwung.

Hier ein Überblick der potenziellen Kandidaten:

– Der Theologe Joachim Gauck war Bürgerrechtler in der DDR und saß in der letzten, der einzigen frei gewählten DDR-Volkskammer. Der 72-jährige Rostocker leitete zehn Jahre lang die Stasi-Unterlagenbehörde und machte sich als Publizist einen Namen. Seine Kandidatur für SPD und Grüne für das Präsidentenamt 2010 brachte ihm über die Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen ein. Doch gilt als fraglich, ob Schwarz-Gelb jemanden wählen würden, den sie vor zwei Jahren noch abgelehnt haben.

– Bundestagspräsident Norbert Lammert gilt in der CDU als unabhängiger und manchmal unbequemer Kopf. Der 63 Jahre alte promovierte Sozialwissenschaftler aus Bochum wird als geschliffener und oft humoriger Redner geschätzt. Bereits 2010 wurde ihm ein Interesse an dem Präsidentenamt nachgesagt. Anfang Januar sagte er aber in einem Interview, er wolle diesen Posten nicht.

– Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt aus Thüringen genießt als langjährige Vizepräsidentin des Bundestags parteiübergreifend Respekt. Die 45-Jährige war beim Umbruch 1989 in DDR als Bürgerrechtlerin aktiv und ist Gründungsmitglied von Demokratie jetzt und Bündnis 90. Erstmals wurde die studierte Theologin 1998 in den Bundestag gewählt, ihre Schwerpunkte sind die Sozial- und Familienpolitik. 2009 wurde die Mutter von zwei Kindern zur Präses der Synode der Evangelischen Kirche gewählt.

– Auch der Name des international anerkannten Umweltpolitikers Klaus Töpfer ist wieder im Rennen. Der gebürtige Schlesier hatte für die CDU bereits zahlreiche Partei- und Regierungsämter innegehabt, als er die Bundespolitik 1998 gegen den Posten als Chef des UN-Umweltprogramms UNEP tauschte. Im vergangenen Jahr leitete er die Ethikkommission, die Empfehlungen zum Atomausstieg erarbeitete. Er wäre möglicherweise akzeptabel im Lager von Koalition und Opposition, mit 73 Jahren aber auch ein Kandidat im Rentenalter.

Andreas Voßkuhle ist der jüngste Präsident, den das Bundesverfassungsgericht in seiner fast 60-jährigen Geschichte hatte. Der erst 48-jährige Staatsrechtsprofessor wäre als Nachfolger Wulffs zudem auch der jüngste Bundespräsident überhaupt. Der gebürtige Detmolder gelangte mit überraschenden Karrieresprüngen an die Spitze des höchsten Gerichts. So war er erst wenige Wochen Rektor der Uni Freiburg, als er 2008 zum Verfassungsrichter und zugleich zum Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Zweiten Senats gewählt wurde – übrigens auf Vorschlag der SPD. Voßkuhle hat als Gerichtspräsident schnell an Statur gewonnen und gilt als „exzellenter Jurist“, der ausgleichend in den internen Verhandlungen des Senats wirkt. Persönlich beschreiben ihn Bekannte als offen, zugänglich und urteilskräftig – nicht die schlechteste Qualifikationen für ein Staatsoberhaupt.