Russland

Zehntausende Russen protestieren erneut gegen Putin

In ganz Russland gehen erneut die Menschen gegen den Politikstil von Wladimir Putin auf die Straße. Der Regierungschef mobilisierte aber Zehntausende zu einer Gegendemonstration in Moskau – allerdings nahmen daran viele wohl nicht ganz freiwillig teil.

Foto: dpa / dpa/DPA

Zehntausende Russen haben am Samstag in der Hauptstadt Moskau an Demonstrationen für und gegen die Regierung von Ministerpräsident Wladimir Putin teilgenommen. An einem Oppositionsprotest beteiligten sich nach Polizeiangaben am Vormittag 23.000 Menschen, während eine Kundgebung zur Unterstützung der Regierung bis zu 90.000 Demonstranten angezogen habe. Im Internet hatten sich zuvor viele Beschäftigte staatlicher Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern darüber beklagt, zur Teilnahme an der Putin-freundlichen Kundgebung gezwungen zu werden.

Die Führung in Moskau sieht sich seit der umstrittenen Parlamentswahl am 4. Dezember mit der größten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde. Die Opposition erwartete zu ihrem Protest trotz eisiger Temperaturen um minus 17 Grad Celsius zehntausende Menschen. Die Moskauer Behörden erlaubten eine Kundgebung mit maximal 50.000 Teilnehmern. Die Organisatoren der Gegendemonstration rechnen mit bis zu 150.000 Menschen.

Die Regierungskritiker trugen bei ihrer Demonstration erneut weiße Bänder als Zeichen ihrer Protestbewegung. „Wir werden demonstrieren, bis sie gehen“, war mit Blick auf Putin und Präsident Dmitri Medwedew auf Transparenten zu lesen. „Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt – Linke, Rechte, Nationalisten, alle“, sagte Antikorruptionsaktivist Alexej Nawalni, eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung.

In der Hauptstadt waren 9000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen russischen Städten Kundgebungen der Opposition mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern.