Berliner Al-Qaida-Prozess

Terrorcamper hatten Instruktionen auf USB-Stick

Im Berliner Al-Qaida-Prozess haben Ermittler über Dokumente berichtet, die sie bei einem der beiden Angeklagten gefunden haben. Die Texte waren passwortgeschützt auf einem USB-Stick und offenbaren die Terrorstrategien Al-Qaidas – mit äußerst grausamen Anweisungen.

Foto: AP / AP/INDIA SECURITY AGENCY ORIGINAL zu : O:\\BILDER\\B_FERTIG\\MAPO1901.JPG

Die Köpfe solle man abschneiden, die Leichen anzünden und die Videos nach den Morden direkt zu Al-Qaida schicken: In dem Prozess gegen die mutmaßlichen Al-Qaida-Mitglieder Yusuf O. und Maqsood L. wurden bei der Verhandlung am Mittwoch grausame Details zu Strategien bekannt, mit denen das Terrornetzwerk den Westen „zur Verzweiflung treiben“ wollte. Ein Beamter des Bundeskriminalamtes berichtete über Dokumente auf einem USB-Stick, die Ermittler bei dem angeklagten Maqsood L. bei seiner Festnahme im Mai vergangenen Jahres in Berlin fanden. Weitere Dateien waren auf einer SD-Karte gespeichert, die der Österreicher in seiner Unterhose versteckt hatte.

relatedlinksAuf den Speichermedien befand sich unter anderem ein 14-seitiges Strategiepapier mit dem Dateinamen „Future Work“. Darin wird das kurzfristige Ziel beschrieben, die westliche Welt zunächst mit „kleinen Aktionen“ unter Druck zu setzen. „Der Feind“ könne diese nur schwer verhindern, in der Bevölkerung würden sie Panik auslösen. Der Staat würde die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen und Muslime - so das Kalkül – würden sich dadurch zunehmend ausgegrenzt fühlen und sich so dem Dschihad zuwenden.

Um Stärke zu demonstrieren, müssten nach Ansicht der Terror-Strategen längerfristig auch Aktionen nach dem Vorbild der Anschläge des 11. September 2001 folgen. Aus bisherigen „Erfolgen“ und „Fehlschlägen“ müssten Konsequenzen gezogen werden, heißt es.

Texte offenbaren Insider-Wissen

Der Autor des vermutlich im Jahr 2009 verfassten und Al-Qaida zugeschriebenen Textes ist nicht genannt. Nach Ansicht der Ermittler dürfte er aber zum Führungszirkel der Organisation gehören. Tatsächlich offenbaren weitere Texte auf den sicher gestellten Datenträgern Wissen über bisherige Anschläge, das nur Insider haben können – oder diejenigen, die für die Anschläge verantwortlich sind.

Eine weitere Datei mit dem Namen „Notizen“ enthält mutmaßlich Informationen aus einer Terrorausbildung. Neben Tipps zu konspirativen Verhalten („Bei Vertragsunterzeichnung keine Fingerabdrücke hinterlassen“) finden sich bruchstückhafte Formulierungen, die sich wie Tipps für Geiselnahmen und Mordserien lesen. So heißt es: „Eindruck erwecken, dass an unterschiedlichen Tagen getötet wurde“ oder „Keine Daten von dem Mord in Videos nennen, wenn die Geiseln sprechen.“ Hinweise zur Kommunikation lassen vermuten, dass die Operationen im Auftrag von Al Qaida ausgeführt werden sollten.

Die Dateien auf den Speichermedien waren mit Passwörtern geschützt und mithilfe einer speziellen Software in anderen Dateien versteckt – etwa in einem Spielfilm namens „Kickass2010“ oder einem Archiv mit dem Titel „Sexy Tanja“. Nach mehreren Tagen gelang es den Computerspezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) die Verschlüsselungen zu knacken.

Inwieweit Al Qaida die Strategien heute noch umsetzen könnte, ist allerdings fraglich. Mit der Tötung Osama bin Ladens durch die USA hat die Organisation nicht nur ihren charismatischen Führer verloren. Bei Drohnenangriffen töteten die USA auch weitere wichtige Kader, sodass das Netzwerk als geschwächt gilt.

Angeklagte sollten Attentäter rekrutieren

Der 26-jährige Berliner Yusuf O. und der in Afghanistan geborene 22-jährige Maqsood L., bei dem die Dateien gefunden wurden, müssen sich seit vergangener Woche vor dem Berliner Kammergericht verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, Mitglieder von Al-Qaida gewesen zu sein. Nach ihrer Rückkehr aus Terrorcamps im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sollen sie zudem im vergangenen Jahr in Wien und Berlin versucht haben, ein Netzwerk aus Unterstützern und möglichen Selbstmordattentätern aufzubauen.

Beide haben bisher nicht zur Sache ausgesagt, der Verteidiger von Yusuf O., Michael Murat Sertsöz, erklärte, sein Mandant bestreite die Vorwürfe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm neben der Mitgliedschaft bei Al-Qaida auch vor, im Jahr 2009 die mittlerweile vermutlich nicht mehr existierende Terrorgruppe „Deutsche Taliban Mujahideen“ mitbegründet zu haben. Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen