Republikanische Vorwahlen

"Kugeln in den Kopf" für die Feinde Amerikas

Erneut haben sich Obamas Herausforderer eine heftige Debatte geliefert – und deutlich gemacht: Ein republikanischer Präsident nutzt die Sprache der Waffen gegen seine Feinde.

Foto: AFP

„Newt! Newt! Newt“ – wäre der Sieger der 16. Fernsehdebatte der Republikaner durch Akklamation ermittelt worden, Newt Gingrich hätte triumphiert.

Der frühere Fraktionschef im Kongress aus Georgia versteht sich auf Ton und Themen, die im Südstaat South Carolina ankommen. Gingrich war mehr als einmal der aggressivste Angreifer gegen den „Sozialhilfe-Präsidenten Obama“, den er als „Gehaltsscheck-Präsident“ ablösen will.

Doch bevor Barack Obama an die Reihe kam, richtete Gingrich (im Verein mit Rick Perry und Rick Santorum) seine destruktive Energie auf Mitt Romney, den ungeliebten Führenden in den Umfragen. So war es zuletzt in New Hampshire geschehen. Alle gegen Romney; den vermeintlichen Umfaller, Opportunisten, Moderaten im konservativen Wolfspelz, den „Aasgeier-Kapitalisten“ (Perry).

Breitseite des Zweifels traf Romney

So war es wieder in der ersten Viertelstunde der Debatte in Myrtle Beach, der golfverliebten Küstenstadt an der Atlantikküste in einem Staat mit 9,9 Prozent Arbeitslosigkeit. Eine Breitseite des Zweifels traf Romney, der einst das Investitionsunternehmen Bain leitete, Firmen aufkaufte, auf den Gewinnpfad brachte oder in den Konkurs trieb, nachdem er alles Geld ausgesaugt hatte.

All das ist legal und ein normales Instrument des US-Kapitalismus. Romney hat gewiss nicht damit gerechnet, von Republikanern mit „klassenkämpferischen“ Vorwürfen bedacht zu werden.

Diesmal wechselten sich seine Widersacher ab, den auf 250 Millionen Dollar Vermögen Geschätzten zudem aufzufordern, seine Steuererklärung öffentlich zu machen. Widerwillig und zögernd räumte Romney am Ende ein, dass er sie vermutlich im April offenlegen werde.

Botschaft an Amerikas Feinde – "Kill them!"

Auf Martin Luther King, dessen Geburtstag am Montag als nationaler Feiertag in den USA begangen wurde, berief sich nur Ron Paul. King wäre als Vietnamkriegsgegner auf seiner Seite, wenn er das Ende der amerikanischen Kriege und den Rückzug aller Truppen zurück in die USA verlange, glaubte Paul.

Doch South Carolina ist nicht sein Pflaster, seine Frage etwa, ob es klug war, Osama Bin Laden zu töten, statt ihn zu verhören, ging in Buhrufen unter. Umso mehr Jubel vereinigten Gingrich und Romney auf sich, als sie wetteiferten, was gefälligst Amerikas Feinden blühe: „Kill them!“, riefen beide nacheinander, „Kugeln in den Kopf“.

Paul widersprach neutestamentarisch: „Tut nicht anderen an, was ihr Amerikanern nicht angetan sehen wollt“, ermahnte er sie mit Blick auf Pakistan und Afghanistan: „Wir lassen Dronen auf sie feuern und wundern uns, dass sie uns nicht mögen.“

Die Sprache der Waffen

Hoffnungslos. Weder mit den Taliban, noch dem Iran sollten die USA sprechen, war der Konsens der anderen. Die Sprache der Waffen sei das einzige, was Amerikas Feinde verstünden, herrschten ihn die anderen an. Präsident Obama schwäche Amerika, wo er nur könne.

Niemand vermisste Jon Huntsman, der am Montag seinen Verzicht erklärt hatte , aus dem Rennen ausgeschieden war und – zur allgemeinen Überraschung – eine Wahlempfehlung für Romney ausgesprochen hatte.

Tage, nachdem der frühere Gouverneur von Utah Romney ölige Glätte attestiert hatte und „Kernlosigkeit“, beklagte Huntsman nun die rüden Umgangsformen seiner Mitbewerber: „Dieser Wettbewerb ist zu einer Offensive negativer, persönlicher Angriffe verkommen, die des amerikanischen Volkes und dieser entscheidenden Zeit in unserer Geschichte unwürdig sind.“ So lauteten die letzten Worte eines klugen, in diesem Wahljahr chancenlosen Kandidaten.

Wüste Angriffe gegen die Türkei

Rick Perry, in einer ähnlich aussichtslosen Lage, hat noch nicht die überfällige Entscheidung getroffen. Der Gouverneur von Texas zeichnete sich in der Debatte durch wüste Angriffe etwa gegen die Türkei aus, die von islamistischen Terroristen regiert werde und nicht in die Nato gehöre.

Die Rolle des Narren ist jedoch schon mit Ron Paul besetzt, der etwa eine Rückkehr zum Stand von 1913 verlangt: dem Jahr, als in den USA eine Bundeseinkommenssteuer eingeführt wurde, verfassungswidrig, wie Paul meint. Romney will sie von maximal 35 Prozent auf 25 Prozent senken, Gingrich will den Einheitsteuersatz von 15 Prozent. Wer träumte nicht davon, dass Ron Paul das Geschichtsrad um 100 Jahre zurückdrehte?

Viele konservative Wähler in South Carolina sind unglücklich mit Mitt Romney, den Gingrich als verzagt opportunistischen Liberalen brandmarkt.

Eine nationale Umfrage sieht Romney mit 40 Prozent in Führung, seine Rivalen Santorum (15 Prozent), Gingrich (14 Prozent) und Paul (13 Prozent) abgeschlagen zurückliegend. Doch die Republikaner in South Carolina werden bei der Wahl am Samstag nicht dem nationalen Trend folgen. Wen sie zum Sieger küren, macht meist das Rennen zur Nominierung.

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