Vorwürfe gegen Bundespräsidenten

Wulff-Freund zahlt Honorar für Wulff-Biografen

Ein weiterer Buchdeal bringt Christian Wulff in Bedrängnis und wirft brisante Fragen auf: Warum zahlte ein Freund des heutigen Bundespräsidenten, der Filmfinanzier David Groenewold, 10. 000 Euro Honorar an den Autor einer zweiten Wulff-Biografie?

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Bundespräsident Christian Wulff ist zum Tagesgeschäft zurückgekehrt. Auf dem Neujahrsempfang für das diplomatische Korps versicherte das Staatsoberhaupt am Dienstag, Deutschland bleibe ein weltoffenes, tolerantes und Fremden gegenüber aufgeschlossenes Land. Auf die aktuellen Vorwürfe gegen ihn ging der Bundespräsident nicht ein.

Doch der Druck auf ihn lässt nicht nach. Wulffs Anwalt Gernot Lehr teilte dem „Tagesspiegel“ am Dienstag mit, dass er die Dokumentation von 400 Medienanfragen und die dazu gehörenden Antworten zu den Vorwürfen gegen den Präsidenten ablehne. Dabei hatte Wulff in seinem ARD/ZDF-Fernsehinterview gesagt: „Ich geb' Ihnen gern auf die 400 Fragen die 400 Antworten.“ Stattdessen gab es nur eine sechsseitige rechtliche Stellungnahme.

Zwei Biografien an einem Tag

Auch ein weiterer Buchdeal bringt Wulff in Bedrängnis: Anfang Mai 2006 passiert in Berlin etwas sehr Seltenes. Am Mittag stellt ein Hauptstadtkorrespondent des „Focus“ seine Wulff-Biografie vor. Und am Nachmittag bewirbt in einem Kaufhaus ein zweiter Publizist sein neues Buch: „Christian Wulff – Deutschland kommt voran“, eine Wulff-Biografie. Zwei Bücher über denselben Politiker, der gerade mal drei Jahre Ministerpräsident ist.

Es ist viel passiert seither. Wulff gewann Wahlen, Bedeutung, wurde Bundespräsident. Und geriet, kurz vor Weihnachten, wegen Hauskrediten, Urlauben bei Freunden und seinem Umgang mit der Wahrheit in Erklärungsnot. Und plötzlich ist eines der beiden Bücher von damals wieder bedeutsam. Während Wulff auf dem Neujahrsempfang versucht, endlich wieder zur Normalität überzugehen, meldet „Spiegel online“, dass ein Freund Wulffs die Biografie „Deutschland kommt voran“ mit 10.000 Euro bezuschusst hat. Es gebe „unterschiedliche Angaben darüber, wofür genau die Zahlungen bestimmt waren“.

Der Freund ist der Filmfinanzier David Groenewold. Er soll Karl Hugo Pruys, dem Autor der Biografie, 10.000 Euro Honorar gezahlt haben, damit dieses Buch überhaupt erscheinen konnte. Wulff hat sich in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident sehr für die Filmbranche eingesetzt, in der Groenewold aktiv war.

Es ist der zweite Buchdeal, dessen Finanzierung für Wulff unangenehme Fragen aufwirft. Der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer hatte 2008 eine Anzeigenkampagne für ein Interview-Buch bezahlt, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt: rund 42700 Euro für Zeitungsanzeigen, mit denen im Herbst 2007 das Buch „Besser die Wahrheit“ beworben wurde. Mitten im Landtagswahlkampf, Wulff war Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat. Maschmeyer sagte, er habe „die Anzeigen privat bezahlt“, mit Wulff habe er darüber nicht gesprochen.

Pruys, in den 70er-Jahren Parteisprecher Helmut Kohls, soll nun, in einem ersten ausführlichen Telefonat am Montagnachmittag bestätigt haben, dass Groenewold ihm ein Autorenhonorar gezahlt habe. Und zwar zusätzlich zu den Leistungen des Verlags. So berichtet es „Spiegel online“.

Die Version geht so: „Groenewold unterstützte mich damals mit rund 10000 Euro“, sagt Pruys. Er selbst habe den Filmproduzenten nur flüchtig gekannt, das Geld aber auch deshalb gerne angenommen, weil Groenewold sich als Freund Wulffs ausgegeben habe. Die Zahlung Groenewolds sei zu einem guten Zeitpunkt gekommen. Das Geld habe das Buchvorhaben vor dem Scheitern bewahrt. „Ich wollte schon fast aufhören“, soll Pruys gesagt haben. Ohne Groenewolds Hilfe „hätte ich es nicht geschafft“. Und, auch das soll Pruys gesagt haben: Mit Wulff selbst habe er nicht über das Honorar von Groenewold gesprochen.

Angaben plötzlich korrigiert

Als „Spiegel online“ am Montagabend noch einmal mit Pruys sprach, soll er seine Angaben korrigiert und sich auf Erinnerungslücken berufen haben. Es habe sich damals wohl nicht um eine Buchfinanzierung gehandelt, sondern um Honorare für Kommunikations-Beratungen, die er Groenewold geboten habe. Am Dienstag hat Pruys juristischen Beistand, er selbst will nichts mehr sagen. Seine Anwälte teilen mit, Pruys – inzwischen 73 – fühle sich physisch und psychisch nicht in der Lage, Presseanfragen zu beantworten. Er sei ausschließlich auf Grundlage des mit dem Verlag geschlossenen Autorenvertrags für das Buch bezahlt worden. Pruys widerruft also seine Aussage.

Also alles nur ein Irrtum? Groenewold und Wulff, das war lange eine Freundschaft der besonderen Art. Wulff hat den Filmunternehmer spätestens 2003 näher kennengelernt. Das war bei den Dreharbeiten zu dem TV-Drama „Das Wunder von Lengede“. Er fand offenbar Gefallen an dem unkonventionellen Kreativen, der ihn auf Partys mitnahm und ihm Treffen mit Schauspielern vermittelte. Sein Duzfreund Christian wisse das zu schätzen, sagte Groenewold einmal, „er taucht dann in eine andere Welt ein.“

Wulff kümmerte sich fortan um die Branche. Auch um Groenewold. Dessen Odeo Film AG siedelte im Jahr 2007 eine Tochterfirma, die Waterfall Production GmbH, in Hannover an. Der Standort sei bewusst gewählt, sagte Groenewold, „da hier Ministerpräsident Christian Wulff mit viel persönlichem Einsatz wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Medienwirtschaft gibt“.