WulffPlag / Direkt zu Wulff

Internetnutzer starten Transparenz-Offensive

Eigentlich hatte Bundespräsident Wulff im Interview mit ARD und ZDF versprochen, 400 Fragen und Anworten zur Affäre zu veröffentlichen. Die Details wird er nun aber doch für sich behalten. Nun wollen die Internet-Plattformen „WulffPlag" und „Direkt zu Wulff" für mehr Transparenz sorgen.

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Bundespräsident Christian Wulff will die detaillierten Fragen und Antworten zu seiner Kredit- und Medienaffäre doch nicht veröffentlichen, wie im Interview mit ARD und ZDF versprochen. Für mehr Transparenz der Affäre könnten nun Internet-Nutzer sorgen. So soll etwa die Plattform „WulffPlag" dazu dienen, die Vorwürfe gegen Wulff „genau und objektiv“ aufzulisten. Dabei geht es sowohl um Wulffs Privatkredit als auch um den umstrittenen Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, den Nutzer anhand der bisher durchgesickerten Informationen weitgehend rekonstruiert haben.

Der Name „WulffPlag“ erinnert an die gemeinsame Suche nach Textanleihen in der Doktorarbeit des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. In diesem Fall ist die Bezeichnung allerdings irreführend, denn Wulff werden keine Plagiate vorgeworfen. Die Seite ist nach dem Wiki-Prinzip aufgebaut – das heißt, die Nutzer können die Inhalte frei verändern. Zum Punkt "400 Fragen und 400 Antworten" existierte auch dort bis Dienstagnachmittag noch kein Dokument.

Die Plattform „Direkt zu Wulff“ hingegen will Fragen an Wulff aus dem Netz bündeln und vom Bundespräsidialamt beantworten lassen. Am Dienstag waren zunächst drei Anfragen – zum Anruf bei Diekmann und dem Verhältnis zur Presse insgesamt – als „in Beantwortung“ markiert.

Eigentlich hatte Wulff in der vergangenen Woche im Interview mit ARD und ZDF angekündigt, er wolle in der Affäre für vollständige Transparenz sorgen. „Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Details zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich“, sagte er. „Ich geb' Ihnen gern die 400 Fragen, die 400 Antworten.“

Die 400 Fragen und Antworten blieb er bisher schuldig. Tatsächlich hatten seine Anwälte am folgenden Tag aber nur eine sechsseitige Zusammenfassung vorgelegt . Der umstrittene Anruf bei „Bild“- Chefredakteur Kai Diekmann, mit dem Wulff die Veröffentlichung des ersten Berichts über den Hauskauf verzögern oder verhindern wollte, wird in dem Papier nicht erwähnt. Eine öffentliche Dokumentation zu den Details wird es nach Angaben seines Anwalts auch nicht geben. Wulff habe dies abgelehnt. Rechtsanwalt Gernot Lehr berief sich auf Anfrage des „Tagesspiegels“ auf die „anwaltschaftliche Verschwiegenheitspflicht“, die einen solchen Schritt nicht zulasse.

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