Bundespräsident

Wulff unterschrieb Kreditvertrag vor Weihnachten

Der wegen einer Kreditaffäre in der Kritik stehende Bundespräsident Christian Wulff hat nach Angaben der BW-Bank erst kurz vor Weihnachten seinen derzeit gültigen Darlehensvertrag unterzeichnet. Erstmals wurden Details zur Anbahnung des Geschäfts offengelegt.

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Der Unternehmer Egon Geerkens hat Bundespräsident Christian Wulff das umstrittene Darlehen bei der BW-Bank empfohlen. Das bestätigte die Bank am Freitag in einer Stellungnahme, in der sie erstmals Details zur Anbahnung des Geschäfts offenlegte. Wulff hatte sich demnach im Herbst 2009 telefonisch bei der BW-Bank gemeldet. Dem sei ein Gespräch von Geerkens mit einem Kundenberater vorausgegangen. Bank-Aufsichtsrätin Roswitha Blind forderte derweil zur Aufklärung der Angelegenheit eine Sondersitzung des Gremiums.

Laut Bankangaben wurde der erste Darlehensvertrag mit Wulff am 21. März 2010 abgeschlossen. Der bisher kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit sei inzwischen in ein langfristiges Darlehen umgewandelt worden. Dazu sei Mitte Dezember 2011 ein Vertrag an Wulff versandt worden. „Dieser wurde von Herrn Wulff am 21.12. unterschrieben und ging am 27.12. bei der BW-Bank ein“, erklärte die Bank. Die Auszahlung erfolge am 16. Januar 2012; es bestehe ein „üblicher Tilgungsplan“. Die Darlehensgewährung sei voll besichert.

Mit dem günstigen Kredit der BW-Bank hatte Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident das Privat-Darlehen der Unternehmer-Gattin Edith Geerkens in Höhe von 500.000 Euro abgelöst.

Die Zinsen für den Bankkredit sollen 0,9 bis 2,1 Prozent betragen haben und damit um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung normaler Kunden gewesen sein. Die BW-Bank macht zu Konditionen und internen Kalkulationen weiterhin keine Angaben, obwohl das Ehepaar Wulff sie vom Bankgeheimnis befreit hat.

Allerdings bezweifelt Aufsichtsrätin Blind, dass Wulff übliche Zinsen zahlt. Die Bank dürfe Kredite nur zu üblichen Konditionen vergeben, „unabhängig von der Person oder Funktion“, sagte sie der „Frankfurter Rundschau“. „Dieses Kriterium ist nicht eingehalten worden.“ Wenn eine Bank bei allen Kunden so wenig Zinsen verlangen würde wie bei Christian Wulff, „wäre sie bald pleite“.

Blind, die für die SPD im Stuttgarter Gemeinderat sitzt, verlangte eine außerplanmäßige Aufsichtsratsitzung im Januar. Die turnusmäßige Sitzung am 30. April sei „viel zu spät“, sagte sie. „Es muss aufgeklärt werden, ob seitens der Bank-Mitarbeiter Untreue vorlag und ob alles mit rechten Dingen zuging.“