Ankündigung

US-Präsident Obama will Berlin besuchen

200.000 Menschen jubelten im Jahr 2008 an der Berliner Siegessäule Barack Obama zu. Nun will er als Präsident der Vereinigten Staaten noch einmal in die deutsche Hauptstadt kommen. Das kündigt US-Botschafter Philip D. Murphy an.

Foto: AP / AP/DAPD

US-Präsident Barack Obama plant einen Besuch in Berlin. Das sagte der US-Botschafter in Deutschland, Philip D. Murphy, im Gespräch mit Morgenpost Online. „Die Chancen, dass Präsident Obama wieder nach Berlin kommt, stehen gut, weil er das auch selbst unbedingt will.“ Ein Datum könne er aber bislang noch nicht nennen, so Murphy weiter.

Der US-Präsident hatte Berlin zuletzt am 24. Juli 2008 besucht – damals noch als möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten – und an der Siegessäule vor 200.000 Menschen eine umjubelte Rede gehalten. Sein Leitspruch „Yes we can“ hatte die Massen begeistert und ihm schließlich im gleichen Jahr den Wahlsieg eingebracht. Da er damals noch kein Staatsoberhaupt war, durfte er nicht, wie ursprünglich von seinen Beratern gewünscht, am Brandenburger Tor sprechen. 2012 stellt sich Obama zur Wiederwahl.

Murphy bescheinigte Berlin darüber hinaus eine besondere Anziehungskraft auf junge Amerikaner. „Berlin als Metropole fasziniert die Menschen weltweit, allen voran die jungen Amerikaner, die auch zu Silvester wieder in die Stadt strömen, um mit den Berlinern vorm Brandenburger Tor ins neue Jahr zu feiern“, sagte Murphy. Berlin sei eine „hot world city“ und habe „einfach alles“. Die deutsche Hauptstadt übe „eine große Anziehungskraft auf junge Künstler, Musiker und Schriftsteller“ aus. Berlins Potenzial werde in den USA gesehen und geschätzt.

Besonders junge Menschen zieht es nach Berlin. Die Stadt bietet ihnen neben Party auch viel Geschichte: Zweiter Weltkrieg, Zerstörung und Wiederaufbau mithilfe der Amerikaner, Teilung und Wiedervereinigung. Er habe „überhaupt nicht den Eindruck“, dass die Berliner sich leidenschaftslos an das erinnern würden, was die Amerikaner für die Stadt getan hätten, meint Murphy. Allerdings sei das bestimmende Ereignis, an das sich ein 17-Jähriger heute erinnere, der 11. September 2001. „Dieser Generation müssen wir uns … in besonderer Weise widmen. Wir müssen die jungen Leute an die Hand nehmen und ihnen unsere Geschichte nahebringen. Dabei spielen Austauschprogramme eine besonders wichtige Rolle.“

Murphy warnte die Bundesregierung davor, im neuen Jahr eine weiter gehende Regulierung der internationalen Finanzmärkte anzustreben und verlangte stattdessen eine globale Diskussionsgrundlage zur Problemlösung. „Ich glaube, wir haben schon genug geregelt“, sagte Murphy Morgenpost Online. Die Krise habe „sehr unterschiedliche Wurzeln“. Das „eigentliche Problem“ liege aber nicht darin, „dass wir zu wenig reguliert haben“. Ziel aller politischen Bestrebungen müsse es sein, „die vorhandenen Regeln“ aufeinander abzustimmen. Murphy bekräftigte: „Noch hat jeder sein eigenes System. Wir dürfen das eine nicht gegen das andere ausspielen, wenn wir Erfolg haben wollen. Die Finanzmärkte agieren global. Deshalb brauchen wir auch eine globale Diskussionsgrundlage zur Problemlösung.“ Die entsprechenden Verhandlungen mit der Bundesregierung bezeichnete der Diplomat allerdings als „hervorragend“. Murphy sagte: „Schauen Sie, es geht bei Meinungsverschiedenheiten – ob nun unter Freunden oder unter Völkern – doch immer darum, welchen Weg man findet und wie engagiert man ist, um wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Das ist uns immer gelungen, und das zeigt, wie belastbar das Verhältnis ist.“

Die Affäre um die vor gut einem Jahr von Wikileaks enthüllten Depeschen des Botschafters nach Washington erklärte Murphy für erledigt. Er sagte, er sei froh, „dass dieses beschämende Kapitel, das so viele Menschen – mich eingeschlossen – sehr verärgert hat, schnell ad acta gelegt werden konnte, dass beide Seiten wieder unaufgeregt zum Tagesgeschäft übergegangen sind“. Alles andere hätten sich die USA und Deutschland allerdings auch nicht erlauben dürfen. „Ein Jahr später kann ich sagen: Gott sei Dank waren wir wieder ganz rasch an diesem Punkt. Das ändert nichts daran, dass die Enthüllung eine wirklich leidvolle Erfahrung für mich war.“

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