Zum 50. Geburtstag

Wie sich Westerwelle ins Abseits manövrierte

FDP-Generalsekretär mit 32, Parteichef mit 39, Vizekanzler mit 48. Jetzt wird Guido Westerwelle 50 Jahre alt und ist „nur noch" Außenminister. Den Höhepunkt seiner politischen Karriere hat er überschritten. Seinen runden Geburtstag feiert er dennoch: in seiner Finca auf Mallorca.

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50 ist ein Alter, in dem für andere die politische Karriere erst so richtig beginnt. Der Außenminister, so die gängige Lesart, dürfte den größten Teil hinter sich haben.

Eine große Party plant der Außenminister selbst zum runden 50. Geburtstag in diesem Jahr nicht. Er werde privat feiern, hieß es in seinem Umfeld lediglich – nach Informationen der „Bild am Sonntag“ in seiner Finca auf Mallorca mit Ehemann Michael Mronz und immerhin 100 Freunden. Am 18. Januar wird Westerwelle allerdings nachträglich in großem Rahmen gewürdigt: Die FDP hat einen Empfang im Tipi-Theaterzelt am Kanzleramt in Berlin organisiert.

Längst gehört der Anwaltssohn aus Bonn zum politischen Inventar der Republik. Zum ersten Mal in Erscheinung trat er zu Beginn der 80er-Jahre: Als seine Generation zu Hunderttausenden gegen die Nachrüstung demonstrierte, stand er mittendrin im Bonner Hofgarten und verteilte Flugblätter dafür. Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 war er bei der Gründung der rechtsbürgerlichen Jungen Liberalen dabei. Im Jahr darauf wurde er Vorsitzender.

Das war der Beginn eines Lebens fast ausschließlich für die Politik. Eher nebenbei studierte er Jura, machte an der Fern-Uni Hagen seinen Doktor, wurde Anwalt. Als Ziehvater galt lange Zeit Hans-Dietrich Genscher. Dessen Nachfolger Klaus Kinkel machte ihn – mit gerade mal 32 Jahren, was damals noch ungewöhnlich war – zum Generalsekretär der FDP. Westerwelle war Ehrgeiz pur. Lauter, forscher, schriller als jeder andere.

Auf Parteitagen konnte er die Leute schwindelig reden. Mit 39 wurde er FDP-Chef und machte sich daran, die Liberalen vom Mehrheitsbeschaffer zur „Partei des ganzen Volkes“ zu verwandeln. Er ließ sich zum Kanzlerkandidaten ausrufen, reiste im Wohnmobil durch die Republik, stieg bei „Big Brother“ in den Container und malte eine gelbe „18“ als Wahlziel auf die Schuhsohle. Einmal deklarierte er sich sogar zur „Freiheitsstatue der Republik“.

Dabei ging unter, wie hart er arbeiten konnte. Bis heute kennt kaum einer die Partei so gut wie er. Westerwelle musste schon in dieser Zeit Kritik aushalten bis zum Unmaß. Besonders nachtragend ist er bis heute nicht. Aber es gibt auch Sachen, die er nie verzeiht. Zum Beispiel, dass er einmal den „Spiegel“ in seine Wohnung ließ und dann als Träger von „Stoppersocken“ geoutet wurde.

Die Affäre um Jürgen Möllemann, als die FDP in die Nähe des Antisemitismus geriet, ließ ihn für eine Weile leiser werden. In diesen Jahren bekannte er sich zu seiner Homosexualität und präsentierte seinen Lebensgefährten Michael („Micky“) Mronz, mit dem er nun auch verheiratet ist. Aber wer geglaubt hatte, dass er damit etwas von seinem Misstrauen verlieren würde, sah sich getäuscht.

Und dann, im dritten Versuch, gelang 2009 doch noch die Wunschkoalition mit der Union – mit einem Sensationsergebnis von 14,6 Prozent für die FDP. In der Stunde des Triumphs machte Westerwelle seinen vermutlich größten Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium. Die Rechnung, mit dem Auswärtigen Amt auch die Beliebtheitswerte der Vorgänger zu übernehmen, ging nicht auf. Viele nehmen ihm den Wandel zum Diplomaten bis heute nicht ab.

Im Frühjahr verlor auch die eigene Partei die Geduld. Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten an Philipp Rösler abgeben. Der Nachfolger bereitete ihm dann auch noch eine schlimme Demütigung, indem er zum Streit um die deutsche Enthaltung zum Libyen-Einsatz im UN-Sicherheitsrat klarstellte, dass er als Parteichef auch für die Grundlinien der Außenpolitik verantwortlich sei.

Seither ist es um Westerwelle erheblich ruhiger geworden. Auf öffentliche Äußerungen zum Zustand der Partei verzichtet er ganz. „Stille Diplomatie“ nennen das seine Leute im Auswärtigen Amt.

In einem „Bunte“-Interview sagte er kürzlich auf die Frage nach seinem runden Geburtstag, das Datum bedeute für ihn auf jeden Fall einen Einschnitt. Natürlich frage man sich an einem solchen Punkt, was man im Leben bewegt habe und was man noch schaffen möchte. Dass er noch etwas schaffen möchte, machte er aber auch deutlich. „Wie heißt es so schön: 40 ist das Alter der Jugend, 50 ist die Jugend des Alters.“