UN-Vollversammlung

Diplomaten boykottieren Ehrung für Kim Jong-il

Mit einer Schweigeminute in der UN-Vollversammlung wurde am Donnerstag der verstorbene nordkoreanische Diktator Kim Jong-il gewürdigt. Doch zahlreiche Diplomaten, darunter deutsche Delegierte, verweigerten sich der Ehrung.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In der UN-Vollversammlung haben zahlreiche Länder die Schweigeminute für den verstorbenen nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il boykottiert. Die Delegationen der USA, Japans, Südkoreas und mehrerer europäischer Staaten, darunter Deutschland, lehnten es am Donnerstag ab, dem Nordkoreaner eine formelle Ehrung zu erweisen. Pjöngjang protestierte gegen die Entscheidung Südkoreas, nur zwei Beileidsdelegationen zu entsenden.

Der Präsident der UN-Vollversammlung, Nassir Abdulasis el Nasser, bezeichnete die Schweigeminute als „protokollarischen Akt“. An der Würdigung Kims nahm letztlich aber lediglich ein knappes Drittel der 193 Mitgliedstaaten teil. Kim sei „zweifellos für den Tod zehntausender Menschen verantwortlich“, begründete ein europäischer Diplomat den Boykott. „Das ist kein Vorbild für die Uno“, erklärte er.

Nordkorea erklärte am Freitag, alle Delegationen die ihr Beileid über Kims Tod bekunden wollten, seien im Land willkommen. Auf der amtlichen nordkoreanischen Webseite Uriminzokkiri hieß es am Freitag, viele Menschen aus Südkorea hätten „dringend“ um einen Besuch gebeten, um ihr Beileid ausdrücken zu können. Deshalb habe die Führung in Pjöngjang entschieden, alle Delegationen „respektvoll“ zu empfangen. Laut dem auf Donnerstag datierten Eintrag wurden bereits erste Schritte unternommen, um Verkehrsverbindungen zu öffnen.

Dass Seoul aber nur zwei Delegationen zulassen wolle, sei „inakzeptabel und unzivilisiert“, hieß es weiter. Pjöngjang forderte die Regierung in Seoul auf, dem Nachbarland den „nötigen Respekt“ zu erweisen. Wer die einfachsten Regeln „des Respekts und der Menschlichkeit“ nicht kenne und die Würde Nordkoreas verletze, werde „auf Jahre hinaus“ einen hohen Preis dafür zahlen.

Südkorea befindet sich formell noch im Krieg mit dem Norden, die Regierung in Seoul drückte dem nordkoreanischen Volk nach Kims Tod aber ihr Beileid aus. Es soll allerdings keine offizielle Regierungsdelegation zur Beisetzung des verstorbenen Machthabers entsandt werden. Einzig die Familien des früheren und mittlerweile verstorbenen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung und des ehemaligen Hyundai-Chefs Chung Mong Hun dürfen zu dem Begräbnis reisen. Kim Dae Jung hatte im Jahr 2000 mit Kim Jong Il den ersten Nord-Süd-Gipfel abgehalten. Hyundai wiederum steht für die Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Der nordkoreanische Machthaber war offiziellen Angaben zufolge am Samstag an einem Herzinfarkt gestorben, sein Tod wurde zwei Tage später bekannt gegeben . In Nordkorea wird Kims Tod seither in Massenveranstaltungen betrauert. Kims Leichnam ist bis zur Beisetzung am Mittwoch in einem Glassarg im Kumsusan-Palast in Pjöngjang aufgebahrt.

Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete, zwischen Montag und Mittwoch habe es an unterschiedlichen Erinnerungsstätten 44 Millionen Trauerbesuche gegeben. Die Einwohnerzahl der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) liegt bei 24 Millionen. International war Kim äußerst umstritten. Insbesondere das Atomprogramm des weitgehend isolierten Landes sorgt im Westen für Besorgnis.