Kreditaffäre

Bundespräsident Wulff entlässt seinen Sprecher

Nach tagelanger öffentlicher Debatte trennt sich Bundespräsident Christian Wulff von seinem langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker. Er gehörte zu seinen engen Vertrauten.

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Bundespräsident Christian Wulff hat seinen Sprecher Olaf Glaeseker entlassen. Das Präsidialamt teilte am Donnerstag in Berlin mit, der langjährige enge Vertraute Wulffs sei von seinen dienstlichen Aufgaben entbunden worden. Diese Entscheidung habe der Chef des Bundespräsidialamtes, Lothar Hagebölling, getroffen.

Glaesekers Aufgaben sollen ab sofort von seiner bisherigen Stellvertreterin Petra Diroll kommissarisch wahrgenommen werden. Über die Gründe für die Entlassung wurde offiziell nichts mitgeteilt. Wulff sieht sich seit mehr als einer Woche mit Vorwürfen wegen eines Hausdarlehens konfrontiert.

Der Bundespräsident war wegen dieses Immobilienkredits unter Druck geraten. Auch wird ihm vorgeworfen, in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident teilweise gratis Urlaub in Ferienhäusern und Villen befreundeter Unternehmer gemacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, sie sehe wegen dieser Vorgänge keinen Anlass zu Ermittlungen gegen das Staatsoberhaupt.

Dem Vernehmen nach habe Glaeseker selbst um seine Entlassung gebeten. Das verlautete am Donnerstag aus dem Umfeld des Präsidialamtes. Im Zuge der Berichterstattung über den Privatkredit und die privaten Urlaubsreisen Christian Wulffs habe sich abgezeichnet, dass sich die Erörterung nun auch auf das Privatleben Glaesekers ausweite. Auch zum Schutz seiner Familie sei dieser nicht bereit gewesen, eine solche öffentliche Erörterung seines Privatlebens hinzunehmen.

Der gelernte Journalist ist zumindest beruflich Wulffs engster Vertrauter, einer von zwei führenden Mitarbeitern, die der Bundespräsident aus Hannover mit ins Schloss Bellevue genommen hatte. Glaeseker, bis Donnerstag Sprecher des Präsidenten, gilt bei politischen Beobachtern als einer der besten Spin-Doktoren bundesweit. Wulffs Erfolg, auch sein Wandel vom Wahlverlierer zum Anwärter auf höchste Ämter, wird zu einem großen Teil ihm zugeschrieben. Eigentlich unvorstellbar, dass Glaeseker die Gefahr, die im Mallorca-Urlaub der Wulffs bei den Maschmeyers lauerte und ebenso in der Sonderbehandlung, die Air-Berlin-Chef Klaus Hunold den Wulffs zugestanden hatte, nicht erkannte.

Diroll ist krisenerprobt. Am 1. Juni 2010 sollte sie ihr Amt als Sprecherin des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler antreten. Doch einen Tag zuvor gab es die Sensation: Ihr neuer Arbeitgeber trat mit einem Paukenschlag zurück. Auch Dirolls Karriere drohte eine der kürzesten im Bundespräsidialamt zu werden. Doch sie einigte sich mit Glaeseker und fungierte seither als Wulffs stellvertretende Sprecherin.

Zuvor war Diroll war fast zwei Jahrzehnte lang bundespolitische Korrespondentin, Redakteurin und Moderatorin des Bayerischen Rundfunks und anderer ARD-Sender. Sieben Jahr gehörte sie als Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz der Hauptstadtkorrespondenten an.