Religion

Eine Million Deutsche wollen aus Kirche austreten

Den beiden großen Kirchen in Deutschland droht eine Austrittswelle. Zu ersten Mal verließen mehr Katholiken als Protestanten die Institution Kirche.

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Nach einer neuen Umfrage des Heidelberger Sinus-Instituts vom Oktober 2011 wollen rund eine Million Menschen in Deutschland aus ihrer Kirche austreten. Zusammen mit denjenigen, die über einen Austritt nachdenken, ergebe sich "ein Schwundpotential von mehr als fünfeinhalb Millionen", schreibt der Sinus-Geschäftsführer Bodo Flaig in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt".

Bei der repräsentativen Untersuchung wurden 2000 Menschen ab 14 Jahren befragt. Nach Angaben der Studie lag der Anteil derjenigen, die zum Kirchenaustritt entschlossen sind, bei den Protestanten bei 3,2 Prozent und bei den Katholiken bei 1,6 Prozent. Bei den noch Unentschlossenen erwägen 12,1 Prozent der Protestanten und 9,9 Prozent der Katholiken einen Kirchenaustritt.

Insgesamt leben einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 zufolge in Deutschland rund 50,7 Millionen Christen. Nach dieser Erhebung der Evangelischen Kirche sind davon 24,2 Millionen evangelisch, 24,9 Millionen sind katholisch. Das entsprach einem Anteil von 62 Prozent an Christen an der Gesamtbevölkerung. Im vergangenen Jahr traten zum ersten Mal mehr Katholiken als Protestanten aus der Kirche aus.

Unter dem Eindruck einer Serie von Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen 2010 haben rund 180 000 Katholiken ihre Kirche verlassen, ein Anstieg um fast 40 Prozent. Die Evangelische Kirche in Deutschland schätzte, dass die Austrittszahlen unter 150 000 blieben.

59 Prozent der Befragten bezeichneten sich als religiös. 33 Prozent fühlten sich mit ihrer Kirche verbunden. 21 Prozent gaben an, regelmäßig einen Gottesdienst zu besuchen, und zehn Prozent beten eigenen Angaben zufolge täglich. Immerhin 40 Prozent der deutschen Bevölkerung glauben, es sei wichtig für Kinder, dass sie religiös erzogen werden.