Gesundheitspläne

Praxisgebühr für jeden Arztbesuch im Gespräch

Kassenpatienten könnten bald bei jedem Arztbesuch fünf Euro loswerden. Das Gesundheitsministerium prüft nach einem Medienbericht Alternativen zur aktuellen Regelung. Experten brachten auch eine permanente Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten ins Gespräch.

Foto: picture-alliance / Sueddeutsche / picture-alliance / Sueddeutsche/Heddergott, Andreas

Die schwarz-gelbe Koalition will die Praxisgebühr im kommenden Jahr reformieren. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plane, ab Frühjahr 2012 Alternativen zur derzeitigen Ausgestaltung zu prüfen, schreibt die „Bild“-Zeitung. Danach gilt auch die Einführung einer Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch als Möglichkeit. Die Gebühr könnte bei bis zu fünf Euro liegen.

Der FDP-Gesundheitsexperte Lars Lindemann bestätigte der Zeitung: „Die jetzige Praxisgebühr hat keinerlei steuernde Funktion. Wir werden 2012 Alternativen prüfen.“ Der CSU-Abgeordnete Johannes Singhammer erklärte: „Der Effekt, die Zahl der Arztbesuche zu dämpfen, ist mit der jetzigen Gebühr nicht erreicht worden.“ Deshalb werde eine „unbürokratischere“ Lösung gesucht.

Der Duisburger Gesundheitsökonom Jürgen Wasem regte eine Gebühr von fünf Euro an. „Fünf Euro pro Besuch macht mehr Sinn als die jetzige Gebühr“, sagte Wasem der Zeitung. Der Kieler Sozialexperte Thomas Drabinski brachte eine Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten von bis zu zehn Prozent ins Gespräch. Das seien in der Regel fünf bis zehn Euro pro Arzttermin.

Auch der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, unterstützt das Reformvorhaben der Koalition. „Als Steuerungsinstrument für weniger Arztbesuche ist die Praxisgebühr gescheitert“, sagte Klusen der Zeitung. Sie spüle jährlich aber rund 2,8 Milliarden Euro ins Gesundheitssystem.

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