"Vorerst Gescheitert"

Guttenbergs Buch in Berlin vorerst ungekauft

Seit Dienstag ist Karl-Theodor zu Guttenbergs Buch "Vorerst Gescheitert" im Handel. Die Berliner zeigten sich am ersten Verkaufstag wenig interessiert.

Die Bücher sind ordentlich nebeneinander gestapelt. Das Bild des Titelhelden, Karl-Theodor zu Guttenberg, ist weit über den Verkaufstisch hinaus zu sehen. Doch die meisten Besucher der Buchhandlung laufen vorbei. Manch einer zögert. Bleibt stehen und blättert. Und eilt weiter. Seit zehn Uhr gibt es das Buch „Vorerst gescheitert“ im Kulturkaufhaus Dussmann an der Friedrichstraße zu kaufen. Um zehn Uhr ist der Tisch dicht belagert – doch nur von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten. Fernseh- und Radiosender und Zeitungen wollen wissen, wer das Buch des ehemaligen Verteidigungsministers kauft – und warum.

Vor neun Monaten hatte Karl-Theodor zu Guttenberg sein Amt wegen der Plagiatsvorwürfe an seiner Doktorarbeit aufgegeben. Seine frühe Rückkehr in die Öffentlichkeit mit dem Erscheinen seines Buches hatte für unterschiedliche Reaktionen gesorgt.

Den Extra-Tisch wollte die Presse

Das Interesse der Kaufhaus-Besucher an der Neuerscheinung ist gering an diesem Dienstagvormittag. Die Weihnachtsbücher und der Adventskalender für Hunde auf dem Nachbartisch wecken mehr Interesse als die Bekenntnisse von Karl-Theodor zu Guttenberg. Dass sein Buch einen Extra-Tisch bekommen hat, ist der Wunsch eines Kamerateams gewesen. So könnte die Neuerscheinung mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eigentlich sollte der Guttenberg-Titel weiter rechts liegen. „Neben den Büchern von Peer Steinbrück und Sarah Wagenknecht“, sagt die Pressesprecherin des Kulturkaufhauses, Bianca Krömer. Zwischen 200 und 300 Exemplare von „Vorerst gescheitert“ habe man beim Großhändler bestellt. Etwa 100 seien bereits im Haus.

Nach einer Weile greift ein junger Mann nach dem Buch, geht zur Kasse und verlässt sofort wieder das Kaufhaus. Er brauche es beruflich, antwortet er den Journalisten, bei seiner Arbeit für eine politische Organisation, die das Werk auswerte. Ähnlich schnell verschwindet ein anderer Herr, der sich für das Buch interessiert. Er gibt sich als Eckart Lohse zu erkennen, einer der Autoren der Guttenberg-Biografie. „Ich bin gespannt, was Sie schreiben“, ruft er beim Gehen.

Um potenzielle Käufer nicht zu vertreiben, verteilen sich Journalisten, Fotografen und Kameramänner in der Umgebung des Guttenberg-Buchtisches. Eine ältere Dame blättert in „Vorerst gescheitert“, klappt den Deckel zu und geht damit zur Kasse. Sofort ist sie von Mikrofonen und Kameras umgeben. Sie flüchtet zu einem weiter entfernten Schalter. „Kein Kommentar“, sagt sie.

Ein älterer Herr, der das Buch in die Hand nimmt und es dann wieder weglegt, sagt: „Der ist doch unten durch! Warum soll ich dafür 20 Euro ausgeben?“ Ein Anderer sagt, ihm gefalle die Erzählform nicht. „Ich lese lieber einen durchgeschriebenen Text.“

Bis zum Mittag sind nur fünf Exemplare verkauft. Eine Käuferin, eine junge Lehrerin aus Mitte namens Katja Heine, sagt auf Nachfrage: „Jeder hat sein Schicksal.“ Sie interessiere sich für die Geschichte von Guttenberg seit der Plagiatsvorwürfe. „Ich möchte wissen, wie er mit dem Druck der Medien zurechtkommt.“ Als Verteidigungsminister habe er einen guten Job gemacht. „Daran sollte man ihn messen“, sagt die 32-Jährige. Guttenberg sollte in die Politik zurückkehren, sagt die Pädagogin. Er habe seinen Fehler eingesehen. „Und dann kann man auch weitermachen“, sagt sie.

Im Laufe des Tages wächst das Interesse am Guttenberg-Buch. Bis zum späten Nachmittag sind fast 40 Exemplare verkauft. „Ein guter Start“, sagt Kaufhaus-Sprecherin Krömer. Politische Sachbücher seien gefragt. Auch, wenn nicht sofort der große Ansturm der Käufer einsetze. Bis Kunden anstehen, um als Erste ein bestimmtes Werk zu kaufen, „das gab es nur bei Harry Potter“.