Buch "Vorerst Gescheitert"

Guttenberg legt sich mit Uni Bayreuth an

| Lesedauer: 3 Minuten

Wenn am heutigen Dienstag das Interview-Buch "Vorerst Gescheitert" in den Läden liegt, kann jeder Karl-Theodor zu Guttenbergs Sicht auf die Plagiatsaffäre nachlesen. Der CSU-Politiker attackiert darin die Universität Bayreuth und politische Weggefährten.

Es gab viel Wirbel um das Buch des ehemaligen Superstars der deutschen Politik - vom heutigen Dienstag an liegt es in den Buchläden: „Vorerst gescheitert“, ein 208 Seiten langes Interview, das Karl-Theodor zu Guttenberg „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo gegeben hat. Vieles aus diesem Buch ist bereits bekannt, zum Beispiel die Kritik Guttenbergs an seiner Partei. Die CSU sei keine Volkspartei mehr, meint der ehemalige Verteidigungsminister, der im März wegen der Plagiatsaffäre zurückgetreten war.

Anderes war noch nicht bekannt, zum Beispiel Guttenbergs herbe Kritik an der Universität Bayreuth. „Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei“, sagt der 39-Jährige in dem Interviewbuch. Der Universitäts-Kommission, die seine Doktorarbeit geprüft habe, sei es um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern gegangen, so Guttenberg. „Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen.“

Die Kommission war zu dem Schluss gekommen, dass Guttenberg die Standards wissenschaftlicher Arbeit grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht habe. Guttenberg wirft dem Gremium vor, ein Urteil schon vor Beginn der eigentlichen Prüfung gefällt zu haben. „Bevor sie mich gehört hat, hat mich die Universität über Durchstechereien an die Medien wissen lassen, wie das Ergebnis ausfallen wird.“ Zudem stelle die Kommission „eine Indizien-Annahme“ auf, „aber sie wird nicht sauber begründet“.

„Ist das nicht bizarr?“

Im Übrigen, so der ehemalige Verteidigungsminister, habe er sich „einige Textstellen, die ich übernommen habe, noch einmal angeschaut. Und dabei festgestellt, dass einige der Autoren, deren Passage ich übernommen habe, selbst nicht ganz korrekt gearbeitet haben. Ist das nicht bizarr?“

Bizarr mag auf Skeptiker eher wirken, wie Karl-Theodor zu Guttenberg die Frage beantwortet, ob es eine „Menschenjagd“ auf ihn gegeben habe. „Lebewesen, die gejagt werden“, sagt Guttenberg, „bauen nur noch auf ihre Instinkte. Auch ich musste mich zeitweilig auf meine Instinkte verlassen. Eines ist den Jägern nicht gelungen: mich endgültig zur Strecke zu bringen oder dauerhaft aus dem Revier zu vertreiben.“

Guttenberg, so sagt er, wollte während der Affäre schon früher seinen Posten räumen. Doch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihn im Kabinett halten wollen, habe sein Rücktrittsangebot „mit sehr klaren Worten abgelehnt“. Zudem räumt Guttenberg taktische Fehler im Umgang mit der Affäre ein. Von den massiven Vorwürfen überrascht, habe er teilweise „völlig falsch reagiert“. Er betonte: „Eigentlich habe ich in diesen Tagen immer die falsche Option gewählt.“ Zunächst hatte er Mitte Februar alle Vorwürfe als „absurd“ zurückgewiesen. Unter dem Eindruck immer stärkerer Belege erklärte er am 1. März 2011 seinen Rücktritt.

Karl-Theodor zu Guttenberg und Giovanni di Lorenzo: Vorerst gescheitert, Verlag Herder, ISBN 978-3-451-30584-9, 208 Seiten, 19,99 Euro

( krl/ak )

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