Atommüll-Transport

Castor braucht diesmal länger als je zuvor

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Castor-Transport ist auf seinem Weg durch Niedersachsen ins Stocken gekommen. Auf der eingleisigen „Wendlandbahn" zwangen Atomkraftgegner zu einer Zwangspause – nicht der einzige Stopp. Und möglicherweise bremst auch das Wetter den Transport erheblich aus.

Der diesjährige Castor-Transport bricht schon lange vor seinem endgültigen Ziel im niedersächsischen Gorleben alle Zeitrekorde. Bereits am Sonntagmittag war der 13. Sonderzug aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague länger unterwegs als jeder vor ihm. 2010 waren die elf Behälter mit dem strahlenden Abfall nach 92 Stunden ins atomare Zwischenlager Gorleben eingefahren.

Der Castor-Zug hatte nach einem etwa 19-stündigen Halt auf dem Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg am Sonntagmittag gegen 13.00 Uhr seine Fahrt fortgesetzt und nach einem kurzen Stopp auch Lüneburg passiert. Dort war der Transport dann auf den letzten, etwa 60 Kilometer langen und auch nur noch eingleisigen Bahn-Abschnitt nach Dannenberg gegangen, wo die Behälter für den Straßentransport nach Gorleben auf Tieflader umgeladen werden müssen.

Atomkraftgegner wie Polizisten mobilisierten für diesen Abschnitt nochmals alle Kräfte. Aktivisten besetzten am Wochenende auf dem entscheidenden Abschnitt gleich mehrfach die Schienen. Bei Hitzacker saßen zuletzt nach Polizeiangaben etwa 3.500 Umweltschützer auf den Schienen, sie wurden am frühen Freitagmorgen weggetragen. Anderorts ketteten sich an zunächst drei Stellen etliche Aktivisten an.

Zwangsstopp durch angekettete Aktivisten

Die Groß-Besetzung der Schienen lösten die Beamten noch in der Dunkelheit auf – nach insgesamt 16 Stunden. Wie dapd-Reporter berichteten, sei es dabei durchweg friedlich zugegangen. Ein Sprecher der Aktion „Widersetzen“ sagte gar: „Lange nicht mehr so eine gute Räumung gesehen.“ Dennoch nahm die Polizei nach eigenen Angaben etwa 1.200 Aktivisten in Gewahrsam. Sie sollten so lange in einem lediglich von aneinander geschobenen Polizeiwagen begrenzten Gebiet ausharren, bis der Sonderzug sein Ziel erreicht hatte.

Am Sonntagvormittag zwangen Atomkraft-Gegner den Castor-Transport hinter Lüneburg zu einem längeren Zwischenstopp. Zwar lösten die Beamten vier angekettete Aktivisten bei Vastorf von den Schienen. Mehrere Dutzend Aktivisten verhinderten allerdings die Weiterfahrt des Zuges, indem sie daraufhin spontan die Gleise besetzten.

Umweltschützer bereiteten unterdessen in Hitzacker die nächste Blockade vor und befestigten eine Beton-Pyramide mit den Logos von Energiekonzernen am Gleis. Deutlich mehr als 500 Aktivisten besetzten dort ebenfalls die Schienen. Diese Blockade beschäftigte die Beamten auch am späten Sonnntagnachmittag noch.

Erste Blockade in Gorleben

Parallel dazu begannen etwa 1.000 Aktivisten schon deutlich vor dem Eintreffen der Behälter mit dem hoch radioaktiven Müll in Gorleben damit, die Zufahrt in das Zwischenlager zu blockieren. Der Transport kann diese Stelle nicht umfahren. Beamte drohten Zwangsmaßnahmen an.

Beamte wie Bahn-Mitarbeiter waren an mehreren Stellen zwischen Lüneburg und Danneberg gefordert, an denen sich Aktivisten an die Schiene gekettet hatten. So hatten sich sieben Mitstreiter der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit Betonröhren an den Schienen befestigt. Die Bahn musste ringsum das Gleis trennen, damit die Polizei die Aktivisten von den Schienen lösen konnte.

Gewalt mit Verletzten auf beiden Seiten

Zugleich war auch der Castor-Transport 2011 von Gewalt geprägt. So ging die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Aktivisten vor, die an der Castor-Bahnstrecke „schottern“ und dafür Steine aus Gleisbetten nehmen wollten. Militante Castor-Gegner griffen wiederum wiederholt Beamte an – mit Feuerwerkskörpern, Böllern, Steinen und Holzpfählen. In Metzingen gerieten Sicherheitskräfte und Aktivisten gleich in drei Nächten in Folge heftig aneinander. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Die Rede war von insgesamt mehreren Dutzend verletzten Beamten und deutlich mehr als 100 verletzten Castor-Gegnern. Zu Verletzten am Sonntag lagen dabei noch keine verlässlichen Daten vor. Auch zum Abschluss des Wochenendes kam es zu Zwischenfällen: Autonome griffen Beamte und Journalisten mit Zwillen an – erneut bei Metzingen.

Der Castor-Zug war am Mittwochnachmittag in La Hague gestartet und hatte am Freitagmittag die französisch-deutsche Grenze bei Forbach überquert. Der Transport legte erst im Saarland eine mehrstündige Pause ein und fuhr dann über die Pfalz, einen Zipfel Bayerns und Hessen nach Niedersachsen. In Deutschland begleiten den Transport etwa 19.000 Beamte der Länderpolizeien und der Bundespolizei.

( dapd/dpa/ap )

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