Castor-Proteste

Atomkraftgegner richten sich auf lange Nacht ein

Begleitet von Polizei-Hubschrauber rollt der Castor-Zug in Richtung Wendland. Auf dem letzten Abschnitt haben sich bereits Tausende Demonstranten die Schienen besetzt, Greenpeace-Aktivisten ketteten sich an.

An den Gleisen auf der Castor-Strecke bei Lüneburg haben sich am späten Sonnabend acht Greenpeace-Mitglieder festgekettet. Dies teilte die Umweltschutzorganisation mit. Die Atomkraftgegner protestieren damit nach eigenen Angaben gegen die „verlogene Atommüllpolitik der Bundesregierung“. „Es geht der schwarz-gelben Bundesregierung einzig darum, Fakten zu schaffen, um Gorleben als Atomklo der Nation durchzusetzen“, erklärte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. Auf einem Banner fordern die Aktivisten „Ausstieg aus Gorleben – Stopp Castor“.

Kurz zuvor hatte der Konvoi mit den elf Atom-Behältern den Güterbahnhof Maschen bei Hamburg erreicht und bereitete sich dort auf seine traditionell schwierigste Etappe vor. Der Zug fuhr gegen 18.45 Uhr in den Verschiebebahnhof ein, der als einer der größten Europas gilt. Der Atommüll-Transport wurde bei seiner Ankunft von einem Polizei-Hubschrauber begleitet. Der Rangierbahnhof war für die Einfahrt weiträumig abgeriegelt worden.

Der Castor-Zug musste in Maschen umgekoppelt werden und sein Personal wechseln, um schließlich in entgegengesetzter Richtung seine Fahrt fortsetzen zu können. Von Lüneburg an kann der Sonderzug nur noch auf einer eingleisigen Strecke weiterfahren. Auf dem etwa 60 Kilometer langen Abschnitt bis Dannenberg erreichten die Proteste gegen den Transport des Atommülls in allen Vorjahren ihren Höhepunkt.

Aktivisten besetzen und unterhöhlen Schienen

Gut ein Dutzend Kilometer vor Dannenberg bereiteten sich am Sonnabend dann auch Polizeiangaben zufolge weit mehr als 1.800 Demonstranten darauf vor, den Zug aufzuhalten. Die Aktivistengruppe „Widersetzen“ selbst sprach von etwa 2.500 Teilnehmern, die auf einem etwa drei Kilometer langen Abschnitt die Gleise blockierten. Die Polizei gab wiederum an, dass der Abschnitt noch offen für Zulauf sei.

Die Aktivisten besetzten westlich von Harlingen das einzige Gleis, über den der Castor-Zug fahren konnte. Dafür hatten sie in den Tagen zuvor ausgiebig im Wendland trainiert. Wie die Polizei bestätigte, verbogen Umweltschützer zudem zwischen Lüneburg und Dannenberg die Schienen. Nun müsse zunächst die Sitzblockade geräumt werden, damit ein Spezialfahrzeug der Bahn den beschädigten Abschnitt wieder reparieren könne.

Nicht geplant war offensichtlich, dass der Castor-Zug in Maschen länger stehen sollte. Eine Sprecherin der Polizei sagte dort, die Weiterfahrt sei „eigentlich noch für heute geplant“. In Lüneburg, wo der Atommüll-Transport in früheren Jahren nach der Nutzung anderer Routen für die Weiterfahrt in Dannenberg seine Richtung änderte, sei diesmal zudem nur ein Aufenthalt von fünf Minuten vorgesehen. Der Fahrplan hänge nun allerdings davon ab, wie sich die Lage auf der „Wendlandbahn“ genannten Passage entwickle.

Starker Wind könnte Verladung der Castoren gefährden

Die letzte Etappe führt den Castor-Transport schließlich wie immer von Dannenberg aus etwa zwanzig Kilometer zum Atommüll-Zwischenlager nach Gorleben. Dafür bieten sich wiederum zwei parallel laufende Routen an, allerdings nur noch auf dem Straßenweg. In Dannenberg müssen die elf Castor-Behälter dafür auf Lkw umgehoben werden. Das hat in den Vorjahren zwischen 12 und 15 Stunden gedauert.

An diesem Wochenende bedroht allerdings ein aufziehendes Sturmtief die Verladung: Bei den von mehreren Wetterdiensten prognostizierten Windstärken acht und neun für Samstag und Sonntag wäre das Verladen unmöglich, wie die Betreibergesellschaft des Zwischenlagers erklärte.