Wetter im Wendland

Dem Castor-Transport droht ein Sturm

Die Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Müll kommen langsam voran - in Danneberg sollen sie auf Tieflader verladen werden. Dort warten Tausende Demonstranten - und ein Sturmtief, dass den Weitertransport verhindern könnte.

Ein durchziehendes Sturmtief könnte das Umladen der Atommüllbehälter in der Verladestation Dannenberg deutlich verzögern. Sowohl der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach als auch das Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation bestätigten, dass für Samstag und Sonntag im Wendland Winde der Stärken acht und neun zu erwarten sind. Damit wäre ein Verladen der Behälter unmöglich.

Und das ist genau der Zeitpunkt, für den die heiße Phase der Proteste erwartet wird: Wenn die Castoren in Niedersachsen von der Schiene auf Speziallastwagen umgeladen werden. Dann müssen die elf Atommüll-Behälter die letzte Etappe von Dannenberg bis ins Zwischenlager Gorleben auf der Straße zurücklegen.

Bei schlechtem Wetter bleiben die Castoren stehen

Die Spezialcontainer aus dem französischen La Hague werden dazu auf Tieflader umgehoben und ins etwa 20 Kilometer entfernte Gorleben transportiert. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Wegen des Sturmtiefs ist bislang unklar, ob die Behälter überhaupt noch im Laufe des Wochenendes verladen werden können.

Der Castor-Zug war am Mittwochnachmittag im französischen La Hague gestartet und hatte am Freitag gegen 10.00 Uhr die französisch-deutsche Grenze bei Forbach überquert. Der Atommüll-Transport hat – begleitet von mehreren Unterbrechungen - zurzeit knapp 1000 von rund 1200 Kilometern Fahrtstrecke zurückgelegt; der Zug wird im Laufe des Samstag im Wendland erwartet. Der Castor-Transport ist der letzte Zug mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage in Frankreich.

Begleitet von Protesten und Blockadeaktionen hat sich der Castor-Transport mit Atommüll am Vormittag seinen Weg durch Niedersachsen gebahnt. Immer wieder kam der Zug mit den elf Atommüll-Behältern ins Stocken, weil Demonstranten auf die Gleise gelangten. In der Nacht zum Samstag war es im niedersächsischen Wendland erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und Polizei gekommen.

Unterdessen wurden für Samstagnachmittag nahe dem Umladebahnhof in Dannenberg tausende Atomkraftgegner zu einer Demonstration erwartet. Andere Castor-Gegner versuchten am Vormittag, über ein Waldgebiet an die Schienenstrecke zu gelangen, um den Zug mit der strahlenden Fracht aufzuhalten.

20.000 Demonstranten erwartet

Die Veranstalter der zentralen Proteste gegen den Castor-Transport in Dannenberg rechnen mit bis zu 20.000 Teilnehmern. Bei zwei geplanten Auftaktdemonstrationen und der Großkundgebung erwarte man 15.000 bis 20.000 Atomkraftgegner, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke.

Für die Landwirte-Organisation „Bäuerliche Notgemeinschaft“ kündigte Hans-Werner Zachow eine Trecker-Demonstration mit 500 Fahrzeugen an. Der Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“, Jochen Stay, sagte, es befänden sich Atomkraftgegner aus rund 150 Städten in Bussen auf dem Weg nach Dannenberg. Beim Castor-Transport 2010 hatte der Veranstalter noch 50.000 Teilnehmer zur Großkundgebung gezählt.

Der letzte Zug aus La Hague

„Der 13. Castortransport (...) ist ein Symbol der gescheiterten Atommüllpolitik“, sagte eine Sprecherin der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg. Die Anti-Atom-Gruppen fordern zudem, dass der Salzstock Gorleben – er liegt gleich in der Nähe des oberirdischen Zwischenlagers – nicht länger als mögliches Atomendlager untersucht werden dürfe. Er sei für die Entsorgung des hoch radioaktiven Abfalls nicht geeignet.

Der Castor-Transport ist der letzte mit hoch radioaktivem Abfall aus Frankreich nach Gorleben. Die Behälter mit deutschen Atommüll aus der Wiederaufarbeitung in La Hague waren am Mittwochnachmittag gestartet. Mehrmals legte der Zug auch planmäßige Zwischenstopps ein. Insgesamt muss der Castor-Transport rund 1200 Kilometer von Frankreich bis ins Zwischenlager Gorleben zurücklegen.

Der Castor-Zug musste am Samstagmorgen in der Nähe von Göttingen wegen Blockaden stoppen. Ein Polizeisprecher in Lüneburg sagte, es seien rund 20 Menschen auf den Gleisen. Auch in Niedersachsen muss weiter mit einem Stop-and-Go-Verkehr gerechnet werden. Mehrere hundert Castor-Gegner waren mit Strohballen, Helmen und Schutzbrillen in einem Waldstück im Wendland unterwegs, durch das der Zug später rollen soll. Sie wollten an der Schienenstrecke Steine entfernen und so die Gleise unterhöhlen.

Die Polizei kündigte an, sie werde dagegen konsequent vorgehen. Bereits seit Donnerstag waren immer wieder Wasserwerfer im Wendland im Einsatz, Demonstranten warfen Steine und beschädigten Polizeifahrzeuge. Es gab mehrere Verletzte. Atomkraftgegner kritisierten das Vorgehen der Polizei als unangemessen.

Bäume abgesägt, Reifen angezündet

Die Polizei berichtete von gefährlichen Störaktionen und Angriffen auf Einsatzkräfte am Freitag. Castor-Gegner hätten Bäume abgesägt sowie Reifen und Äste in Brand gesetzt. Zudem sollen Metallketten gespannt worden sein, um Polizeifahrzeuge zu stoppen. Freitagnacht erlitten laut Polizei rund 20 Beamte Verletzungen.

Wann der Zug die Verladestation in Dannenberg erreicht, war noch unklar. Dort werden die elf Castor-Behälter für den Straßentransport vorbereitet. Der Atommüll muss dann noch eine letzte Etappe bis zum Zwischenlager Gorleben zurücklegen.