Sozialisten

Franzosen nutzen begeistert Vorwahlen

Dass die sozialistische Partei in Frankreich ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2012 durch Vorwahlen bestimmt, ist neu. Sie hatte im Vorfeld auf mindestens eine Million Teilnehmer gehofft. Doch die Hoffnungen der Sozialisten wurden deutlich übertroffen.

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Am 16. Oktober 2011 tritt der Parteiveteran der Sozialisten nun in einer Stichwahl gegen Martine Aubry an.

Video: Reuters
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Erst eine Stichwahl wird wohl entscheiden, wer für die französischen Sozialisten im kommenden Frühjahr für das Amt des Staatspräsidenten kandidiert. Aus der Direktwahl am Sonntag gingen François Hollande und Martine Aubry mit den meisten Stimmen hervor, doch keiner der Beiden erreichte die notwendigen 50 Prozent.

Auf ihren Internetseiten teilte die Partei mit, dass nach Auszählung von 1,674 Millionen Stimmzetteln Hollande 39 Prozent der Stimmen und Aubry 31 Prozent erhalten hätten. Allerdings ist das Ergebnis noch nicht amtlich. Nach Schätzungen der Partei wurden über zwei Millionen Stimmen abgegeben. Die Stichwahl soll am 16. Oktober stattfinden.

Dabei könnte entscheidend sein, für wen sich der Drittplatzierte vom Sonntag ausspricht. Der zum linken Flügel zählende Arnaud Montebourg erhielt bei der Vorwahl die drittmeisten Stimmen. Das Votum des Globalisierungsgegners könnte die Ausrichtung des Präsidentschaftswahlkampes der Sozialisten maßgeblich beeinflussen.

Nach Hollande und Aubry kam Arnaud Montebourg vom linken Parteiflügel mit 17,4 Prozent überraschend auf den dritten Platz. Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin bei der Wahl 2007, Ségolène Royal, landete laut den Teilergebnissen mit 6,8 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz, vor Manuel Valls (5,7 Prozent) und Jean-Michel Baylet (0,6 Prozent). Hollandes frühere Lebensgefährtin Royal nannte ihr Ergebnis „sehr enttäuschend“. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl gab sie vorerst nicht ab.

Die hohe Beteiligung an der Kandidatenkür am Sonntag ist ein gutes Zeichen für die Sozialisten, die seit 1988 keine Präsidentschaftswahl mehr gewonnen haben. Umfragen zufolge könnte Hollande gut gegen den unpopulären Sarkozy gewinnen, wenn die Wahl heute äre. Der langjährige Parteichef der Sozialisten ist vielen französischen Wählern durch seine jahrzehntelange Tätigkeit in der Politik bekannt. Allerdings hat er bislang nicht mit spektakulären Vorschlägen zur Rettung des Euro, Lösung der Schuldenkrise oder anderer Probleme Frankreichs geglänzt.

Die Beteiligung habe die Hoffnungen der Sozialisten bei weitem übertroffen, sagte Interims-Parteichef Harlem Désir, der wegen der Präsidentschaftskandidatur von Aubry vorübergehend an der Spitze der Partei steht. Es handele sich um ein „historisches Ereignis“.

Wie der für die Vorwahl verantwortliche Rechtsanwalt Jean-Pierre Mignard am Sonntagabend mitteilte, will er am Montag gegen 11.30 Uhr das Endergebnis verkünden. Erst dann seien „98 bis 99 Prozent“ der Ergebnisse ausgezählt.