Atommüll

Polizei findet Bombenattrappe an Castor-Strecke

Der Castor-Zug rollt noch gar nicht und schon gibt es bereits Konfrontationen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei in Frankreich. Auch in Deutschland stellt sich die Polizei auf Auseinandersetzungen ein.

Kurz vor dem Start des Castor-Zuges nach Gorleben ist es am Mittwoch im französischen Valognes zu Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und Polizei gekommen. Hunderte Demonstranten protestierten gegen den Atommülltransport. Sie versuchten, die Gleise in der Normandie zu besetzen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas gegen sie ein und nahm nach eigenen Angaben fünf Menschen fest. Der Zug mit elf Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll, der in La Hague bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus deutschen Kraftwerken angefallen ist, sollte am Nachmittag starten. Am Wochenende wird er im Wendland erwartet.

Es ist der erste Transport nach dem von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg. Der insgesamt 13. Castor-Transport soll vorerst der letzte ins Zwischenlager in Gorleben sein. Atomkraftgegner und Polizei zeigen sich gleichermaßen gerüstet: In Valognes gab es nach Angaben von Atomkraftgegnern seit einiger Zeit ein Protestcamp. Für Samstag haben zahlreiche Initiativen und Organisationen zur Großkundgebung in Dannenberg aufgerufen – Tausende Demonstranten werden erwartet. Auch viele Protestaktionen entlang der Transportstrecke sind geplant. Im vergangenen Jahr war es Demonstranten immer wieder gelungen, den Zug zu stoppen und seine Ankunft in Niedersachsen zu verzögern.

Die Polizei will härter als früher gegen Blockaden des Transportes vorgehen. „Wir werden in diesem Jahr etwas schroffer reagieren“, kündigte der Einsatzleiter, der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster, unlängst an. Sabotageakte von Atomkraftgegnern wie das „Schottern“, bei dem Steine aus dem Gleisbett entfernt und ein sicheres Befahren der Schienen verhindert wird, werde man konsequent unterbinden und verfolgen.

Auch wenn die Polizei deutlich weniger Atomkraftgegner erwartet, will sie ihre eigene Stärke im Vergleich zum Vorjahr nicht verringern. Insgesamt rund 19.000 Polizisten von Ländern und dem Bund waren beim Castor-Transport 2010 im Einsatz - diesmal sollen es gleich viel sein. Im November vor einem Jahr, kurz nach der Entscheidung der Bundesregierung, die AKW-Laufzeiten zu verlängern, waren laut Veranstaltern rund 50.000 Demonstranten zur zentralen Protestkundgebung gekommen. So viele erwarten diesmal selbst die Veranstalter nicht. Denn inzwischen hat Schwarz-Gelb abermals eine Kehrtwende vollzogen und unter dem Eindruck der Katastrophe in Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie erklärt.

Selbst führende Grünen-Politiker haben nach dem Atomausstieg von Widerstand abgeraten, doch die Proteste im Wendland halten an – auch weil Gorleben als Endlager für hochradioaktiven Atommüll weiter erkundet wird. Zwar kam Bewegung in die Debatte über die Lagersuche, nachdem Bayern und Baden-Württemberg auf ihrem Gebiet nun auch Erkundungen zulassen würden. Dazu wollen Bund und Länder ein neues Suchgesetz erlassen. Doch für einen Verzicht zur Erforschung des Salzstocks in Gorleben wurde kein Beschluss gefasst. Und im Wendland befürchten viele Menschen, dass mit den Atommülltransporten ins Zwischenlager, wo bereits über 100 Atommüllbehälter stehen, auch eine Entscheidung für ein Endlager zementiert werden soll.

An einer der beiden möglichen Strecken des Castor-Transportes hat die Polizei am Mittwoch indes eine Sprengstoffattrappe gefunden. Unter einem Gullydeckel in Quickborn wurde ein Pappkarton mit der Aufschrift „Peng!“ entdeckt. Die Polizei hatte zuvor vorübergehend die Ortsmitte von Quickborn abgeriegelt, nachdem ein Sprengstoffhund angeschlagen hatte, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg. Die Mitte des im Landkreis Lüchow-Dannenberg liegenden Dorfes sei als Sicherheitsbereich kurzfristig für Autofahrer und Fußgänger gesperrt gewesen.

Gefunden wurde außer dem Pappkarton nichts, am frühen Nachmittag wurde Entwarnung gegeben. Quickborn liegt östlich des Umladebahnhofs von Dannenberg, wo die Castor-Behälter mit dem hoch radioaktiven Atommüll für den Weitertransport auf die Straße umgeladen werden. Von Dannenberg führen zwei Straßen zum Zwischenlager in Gorleben, eine von ihnen geht durch Quickborn.