Deserteure

Syrische Armee tötet Überläufer

Nach fünf Tagen heftiger Gefechte haben syrische Truppen die Ortschaft al-Rastan wieder zurückerobert. Dort waren viele Deserteure untergetaucht, die sich geweigert hatte, auf Zivilisten zu schießen.

Die syrische Armee hat nach Angaben der staatlichen Medien eine große Zahl bewaffneter Regimegegner getötet. Die Ortschaft al-Rastan in der Provinz Homs sei nun wieder unter Kontrolle der Sicherheitskräfte, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag.

Gegner des Regimes von Präsident Baschar Al-Assad hatten am Sonnabend von einem „Massaker“ in al-Rastan gesprochen. Dort hatte sich eine große Zahl von Deserteuren verschanzt. In Videos, die sie im Internet veröffentlicht hatten, sagten die Deserteure, sie hätten den Befehl verweigert, auf Zivilisten zu schießen.

Bewohner der Umgebung sagten, die Hauptstraße zwischen Homs und Aleppo im Norden sei seit Tagen geschlossen. Die Kämpfe in Rastan begannen nach einem Angriff der Regierungstruppen am Dienstag. Sie gehörten zu den schwersten seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar Assad Mitte März.

Eskalation eint Opposition

Das Blutvergießen in Syrien schweißt nun die traditionell zerstrittenen Oppositionsgruppen des Landes zusammen. Am Sonnabend trafen sich Vertreter von mehr als 70 verschiedenen Gruppierungen in Istanbul, um über eine Erweiterung des Mitte September gebildeten Übergangsrates zu verhandeln.

Ein Mitglied des Rates sagte: „Wir befinden uns jetzt in einer kritischen Phase, das haben jetzt alle verstanden.“ Es sei jedoch nicht einfach, einen Konsens zu finden, „weil jetzt wirklich erstmals alle Gruppierungen vertreten sind“. Auch die Muslimbruderschaft sei bereit, sich dem Rat anzuschließen, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Die Ergebnisse der Verhandlungen sollen spätestens am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert werden. Gemeinsames Ziel aller Oppositionellen ist der Sturz des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Uneinigkeit gab es in den vergangenen Wochen jedoch über die Frage, welche Form von ausländischer Unterstützung den Revolutionären helfen könnte und ob sie angesichts der Militäroperationen gegen Demonstranten zu den Waffen greifen sollten.