In Libyen gefasst

Saif al-Islam - vom Hoffnungsträger zum Hardliner

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Gaddafi-Sohn in Libyen festgenommen

Saif al-Islam im Flugzeug, auf dem Weg in die libysche Stadt Sintan. In einem Gespräch mit Reuters sagte er, es gehe ihm gut.

Video: Reuters
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Libysche Sicherheitskräfte haben im Süden des Landes den Lieblingssohn des getöteten Machthabers Gaddafi festgenommen. Ihm soll in der Heimat der Prozess gemacht werden.

Monatelang haben die Sicherheitskräfte der neuen libyschen Führung nach ihm gesucht, nun haben sie ihn gefasst: Saif al-Islam, der zweitälteste und bekannteste Sohn des ehemaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi, wurde im Süden des Landes gestellt. Die Rebellen hatten bereits Ende August gemeldet, Saif al-Islam sei festgenommen worden. Eine Falschmeldung – wenige Tage später zeigte sich der 39-Jährige lächelnd Reportern in der Hauptstadt Tripolis.

Der Lieblingssohn des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi wurde auch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er soll sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Allerdings erklärten Regierungschef Abdulrahim Al-Kib und Justizminister Mohamed al-Alaki, dass dem prominenten Gefangenen in Libyen der Prozess gemacht werden soll. Die Nachricht von der Festnahme wurde in dem nordafrikanischen Land mit Freude aufgenommen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte Libyen zur Zusammenarbeit mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgefordert. Es sei „von größter Bedeutung, dass Saif al-Islams Sicherheit jetzt garantiert und seine Rechte auf einen Prozess gewährleistet sind“, sagte ein Sprecher Ashtons am Sonnabendabend in Brüssel. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Luis Moreno-Ocampo, will anlässlich der Festnahme al-Islams in der kommenden Woche nach Libyen reisen. Der neue libysche Regierungschef Abdel Rahim el Kib versprach dem festgenommenen Gaddafi-Sohn einen fairen Prozess.

Mit dem Beginn der Aufstände in Libyen hatte sich Saif al-Islam, der lange Zeit als Reformer und wahrscheinlichster Nachfolger seines Vaters an der Spitze Libyens galt, schnell als Hardliner erwiesen. Im Februar drohte er im libyschen Staatsfernsehen mit einem Bürgerkrieg „mit Tausenden Toten“. „Wir werden Libyen nicht aufgeben, und wir werden bis zum letzten Mann, bis zur letzten Frau und bis zur letzten Kugel kämpfen“, sagte Saif al-Islam, dessen Name übersetzt Schwert des Islam bedeutet.

Seit Ende Juni wurde der Gaddafi-Sohn vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit per Haftbefehl gesucht. Von IStGH-Chefankläger Luis Moreno-Ocampo wurde er als Libyens „De-facto-Ministerpräsident“ angesehen, der eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung eines von seinem Vater ausgearbeiteten Plans zur Unterdrückung des Volksaufstands „mit allen Mitteln“ spielte. Dabei galt Saif al-Islam lange als so etwas wie das gute Gesicht des als Schurkenstaat verschrienen Libyen. In der Öffentlichkeit trat der kahlköpfige junge Mann gewandt mit Anzug und Krawatte, Englisch- und Deutschkenntnissen, ein wenig Französisch sowie ruhiger und besonnener Ausdrucksweise auf.

2007 stieß er ein Projekt für eine Verfassungsreform zur Modernisierung seines Landes an, machte aber keinen Hehl aus dem Plan, dass die Macht seines Vaters dabei nicht angetastet werden sollte. Er gründete einen privaten Fernsehsender und die ersten beiden privaten Zeitungen des Landes. Nur ein Jahr später verkündete er dann seinen Rückzug aus der Politik.

( BMO )

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