Medienbericht

Nazi-Terroristen hinterließen Bekennervideo

Ein Geständnis auf DVD könnte die Ermittlungen im Fall der Döner-Mordserie weiter voranbringen: Auf dem Video sollen die Neonazis weitere Anschläge angekündigt haben und sich zu dem Bombenanschlag in Köln im Jahre 2004 bekennen. Weitere Hinweise führen auch nach Berlin.

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Döner-Morde Tat von Neonazis

Video: Reuters
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Ein Geständnis auf DVD bringt die Ermittlungen im Fall der sogenannten Döner-Mordserie voran: Wie der "Spiegel" berichtet, haben die nahe Eisenach tot aufgefundenen Neonazis Uwe B. und Uwe M. ein Bekennervideo hinterlassen. Darin erklärten die mutmaßlichen Rechtsterroristen, ihre Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ sei ein „Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte“.

Zugleich kündigten sie in dem 15-minütigen Film weitere Anschläge an. Solange sich „keine grundlegenden Änderungen in der Politik, Presse und Meinungsfreiheit“ vollzögen, würden „die Aktivitäten weitergeführt“.

In dem Film bekenne sich die Gruppe auch zu dem Bombenanschlag in Köln 2004, bei dem 22 Menschen durch Nägel verletzt wurden. Zu sehen sei unter anderem ein Foto der mutmaßlichen Bombe, bevor sie scharf gemacht wurde. Die Neonazis rühmten sich zudem, mindestens neun Morde an türkischen und einem griechischen Einwanderer begangen zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen werden nun auch weitere ungeklärte Anschläge überprüft. Nach Informationen des „Tagesspiegels“ untersuchen die Behörden etwa den Sprengstoffanschlag Ende 1998 in Berlin auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden. Das berichtete das Blatt am Samstag im Internet unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Bundesanwaltschaft hat zurzeit keine Hinweise, dass außer dem Neonazi-Trio aus Jena noch andere Täter in die Döner-Morde verwickelt waren. Zwischen 2000 und 2006 waren in ganz Deutschland acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer ermordet worden.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, die Ermittlungen erstreckten sich auch auf das Umfeld des Trios. Zureichende Anhaltspunkte für weitere konkrete Tatverdächtige lägen derzeit nicht vor, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Sonnabend.

Auch in Nordrhein-Westfalen rollt die Polizei zwei ungeklärte Anschläge auf. Es müssten jetzt alle „Straftaten, die über ähnliche Muster verfügen“, noch einmal untersucht werden, sagte Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) am Sonnabend. In NRW seien das ein Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 sowie ein Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000.

Zum Kölner Anschlag gebe es Hinweise von den Ermittlungsbehörden in Thüringen, sagte Jäger. Die Polizei suchte vergeblich nach zwei Männern, die kurz vor der Explosion von einer Videokamera aufgenommen worden waren. Den Ermittlern waren Ähnlichkeiten zwischen den damals auf dem Video festgehalten Personen und den nun tot in einem Wohnmobil bei Eisenach entdeckten Männern aufgefallen.

Auch die Bombenanschläge auf die Wehrmachtsausstellung im März 1999 in Saarbrücken und auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg im März 2002 sollen noch einmal unter die Lupe genommen werden. Die Polizei vermutete damals Rechtsextremisten als Täter, konnte aber keinen Verdächtigen ermitteln.

Angesichts des aktuell im Fokus der Ermittlungen stehende Neonazi-Trios werde „alles aufgerollt“, was seit Ende der 1990er Jahre an schweren Verbrechen mit möglicherweise rechtsextremem Hintergrund unaufgeklärt blieb.