Afghanistan

US-General nach heftiger Kritik an Karsai entlassen

Ein US-Kommandant hat der Regierung Karsai "Realitätsferne" attestiert – der Präsident sei zudem unfähig, sich zu artikulieren. Nun wurde der Mann von seinen Aufgaben entbunden.

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Nach öffentlicher Kritik am afghanischen Präsidenten Hamid Karsai ist ein US-Kommandeur in Afghanistan entlassen worden. Generalmajor Peter Fuller sei wegen "unangemessener öffentlicher Kommentare" von seinen Aufgaben entbunden worden, teilte die Nato-geführte Afghanistantruppe Isaf am Freitag mit.

Der Vize-Kommandeur der Ausbilder der afghanischen Armee hatte der afghanischen Führungsriege im Online-Magazin " Politico " Realitätsferne vorgeworfen.

Diese sei sich nicht über den hohen finanziellen und menschlichen Einsatz der USA in ihrem Land im Klaren.

Auf jüngste Äußerungen Karsais, dass Afghanistan im Falle eines Krieges zwischen den USA und Pakistan sich auf die Seite des pakistanischen Nachbarn stellen würde, reagierte Fuller verärgert: Für den Fall, dass Afghanistan Präsidentschaftswahlen abhalte, hoffe er, dass "sie einen Kerl bekommen, der sich in der Öffentlichkeit besser artikulieren kann". Die afghanische Regierung sei "realitätsfern".

Äußerungen Fullers "unglücklich"

Der US-Oberkommandierende in Afghanistan, John Allen, bezeichnete die Äußerungen Fullers in einer Erklärung als "unglücklich". Sie spiegelten weder die "solide Beziehung" der USA mit der Regierung Karsais wider noch den gemeinsamen Erfolgswillen, Afghanistan zu einem "stabilen, friedlich und blühenden" Land zu machen.

Ein Sprecher von Verteidigungsminister Leon Panetta teilte mit, der Minister stehe voll hinter der Entscheidung Allens.

Im vergangenen Jahr war der damalige US-Oberkommandierende in Afghanistan, Stanley McCrystal, wegen kritischer Äußerungen über US-Präsident Barack Obama und dessen Beraterstab entlassen worden.