Christine Haderthauer

Die "Kronprinzessin" als bayerische Finanzministerin

Landessozialministerin Christine Haderthauer soll das Ressort von Georg Fahrenschon übernehmen. Sie wird bereits als mögliche Nachfolgerin von Horst Seehofer gehandelt.

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Noch steht die offizielle Bestätigung aus. Aber es scheint, dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nicht lange wartete. Knapp drei Tage nachdem er am Freitag von der Nachricht überrascht worden war, dass sein Finanzminister Georg Fahrenschon die Politik verlässt , ist am Montagnachmittag offenbar die Entscheidung gefallen: Christine Haderthauer soll neue Finanzministerin in Bayern werden.

Die 48 Jahre alte Juristin ist Arbeits- und Sozialministerin im Freistaat und lebt seit 1991 in Seehofers Heimatort Ingolstadt. Als Oberbayerin bringt sie damit nicht den Regionalproporz durcheinander, der bei der Kabinettsbildung in Bayern immer eine große Rolle spielt.


Auch Fahrenschon kommt aus dem Regierungsbezirk. Zudem ist mit Haderthauers Nominierung die Frauenquote, die Seehofer wichtig ist, nicht gefährdet. Sollte Umweltstaatsekretärin Melanie Huml zur Sozialministerin aufsteigen, würde die Frauenquote noch erhöht.

Haderthauer war erst als Generalsekretärin der Christsozialen aufgefallen. Der ehemalige Parteichef Erwin Huber hatte die gebürtige Schleswig-Holsteinerin im Jahr 2007 aus Neumünster berufen. Damals galt sie als die weibliche Antwort auf Gabriele Pauli, die den Sturz von Edmund Stoiber eingeleitet hatte.

Der Wahlkampf für Erwin Huber und Günther Beckstein, den sie zu verantworten hatte, war allerdings keinesfalls ein Glanzstück: Mit den beiden musste auch Haderthauer abtreten.

Gegenpart zu Ursula von der Leyen und Kristina Schröder

Als Generalsekretärin und Sozialministerin entwickelte Haderthauer aber immer mehr Selbstbewusstsein. „Frauen sollten sich grundsätzlich genauso viel zutrauen wie Männer“, sagte sie einmal. Charmant lächelnd und forsch in der Argumentation wurde sie zu einem frischen Gesicht der CSU. Sie gilt als die „Kronprinzessin“ bei der Seehofer-Nachfolge.

Erfreut nimmt sie zur Kenntnis, wenn sie als erste bayerische Ministerpräsidentin gehandelt wird. Nachdem Seehofer sie 2008 überraschend zur Sozialministerin berufen hatte, gelang es ihr wiederholt, bayerische Akzente in ihrem Fachbereich zu setzen, zuletzt bei ihrem Einsatz für das Betreuungsgeld.

Haderthauer versucht sich als konservativen Gegenpart zu ihren Bundeskolleginnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder (beide CDU) einen Namen zu machen. Weil sie nicht konfliktscheu ist, ist Haderthauer auch in Talkshows ein gern gesehener Gast.

Finanz- und Steuerpolitik profilieren

Dies soll auch ein wichtiges Kriterium für Seehofers Entscheidung gewesen sein. Finanz- und Steuerpolitik ist eines der wichtigsten Politikfelder und wird es voraussichtlich bis zu den Wahlen 2013 in Bayern und im Bund bleiben. Mit seinen Vorschlägen zur Steuerreform und der CSU-Linie bei der Euro-Rettung will Seehofer seine Partei auf diesem Feld profilieren.

Dazu benötigt er eine Persönlichkeit, die dies offensiv vertreten kann, in München, Berlin und Brüssel. Haderthauer traut er dies offenbar zu.

Es warten allerdings große Aufgaben auf die fachfremde Frau. Auf EU-Ebene läuft ein Beihilfeverfahren zur Bayerischen Landesbank. Vom Votum in Brüssel hängt maßgeblich ab, mit welchem Geschäftsmodell die staatseigene Landesbank weiter arbeiten kann. Zudem stehen in Bayern die Verhandlungen zum Nachtragshaushalt 2012 an, und die CSU will mit eigenen Steuerkonzepten in der Bundespolitik glänzen.

Außerhalb der Partei war niemand zu finden

In den Spekulationen und Gesprächen zur Kabinettsumbildung in den vergangenen Tagen war die forsche CSU-Politikerin erst sehr spät aufgetaucht. Dem Vernehmen nach wollte Seehofer einen Experten für das Schlüsselressort gewinnen. Außerhalb der Partei war niemand zu finden, in der CSU sind die finanzpolitischen Qualifikationen dünn gesät.

Hartmut Koschyk, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, sagte schnell ab. Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium, blieb aber im Rennen. Er war auch der Wunschkandidat der Landtagsfraktion, die ihm die notwendige Sachkenntnis zutraute.

Die Landtagsabgeordneten stemmten sich gegen eine externe Lösung. Also die Berufung von einem Quereinsteiger oder eines Bundestags- oder Europaabgeordneten der Partei.

Auch eine Personal-Rochade wurde diskutiert. So sollte Bayerns ruhiger Innenminister Joachim Herrmann Finanzminister werden und Umweltminister Markus Söder hätte ins Innenressort wechseln können. Söder hätte dort quasi als „schwarzer Sheriff“ für neuen Schwung sorgen können.

Aber Herrmann wollte nicht und Söder durfte wohl nicht. Zumal Seehofer will, dass Söder die überraschende Energiewende jetzt in die Realität umsetzt.

Peinlichkeit schnellstmöglich aus der Welt schaffen

Auch dem Wunsch der Fraktion, die Personalie erst kommende Woche, nach der nächsten Sitzung der Landtagsfraktion, zu klären, wollte der Ministerpräsident nicht nachkommen. Die Peinlichkeit, dass sein wichtigster Minister von der Fahne gegangen ist, sollte schnellstmöglich aus der Welt geschaffen werden.

Georg Fahrenschon hatte nämlich am vergangenen Freitag überraschend erklärt, dass er Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes werden möchte – doch er informierte Horst Seehofer erst spät über seinen Entschluss. Der Ministerpräsident ist darüber offenbar tief verärgert.

Es wird damit gerechnet, dass Fahrenschon sein Amt schnell niederlegt, zumal Interessenkonflikte zwischen seiner neuen Aufgabe als Sparkassenpräsident und seinem alten Amt als bayerischer Finanzminister bestehen. Daher könnte Christine Haderthauer schon in der nächsten regulären Vollsitzung des bayerischen Landtags am 9. November als Finanzministerin vereidigt werden.