Herman Cain

Schmuddelvorwürfe gegen Republikaner-Liebling

Herman Cain will US-Präsident werden – und liegt in aktuellen Umfragen zur Präsidentschaftskandidatur vorne. Doch jetzt belasten "Godfather Pizza" heikle Vorwürfe.

Foto: REUTERS

Bis Sonntag, 19.05 Uhr Ortszeit, lief es prächtig für Herman Cain: Soeben war eine Umfrage über die republikanischen Präsidentschaftskandidaten veröffentlicht worden, die den einstigen Chef der Restaurantkette "Godfather’s Pizza" sogar in der Publikumsgunst der Texaner vor deren eigenem Gouverneur Rick Perry sah.

Während Cain unter registrierten Republikaner-Wählern im Bundesstaat des einsamen Sterns auf 27 Prozent kam, entschieden sich 26 Prozent für Perry, der noch vor wenigen Wochen als Favorit galt, so die University of Texas. In Iowa führt der konservative Cain ähnlich knapp vor seinem liberalen Hauptkonkurrenten Mitt Romney.

"Ich habe niemals jemanden sexuell belästigt"

Dann, fünf Minuten nach sieben Uhr abends, platzte eine Eilmeldung in den parteiinternen Wahlkampf, die alles ändern könnte. Zwei Mitarbeiterinnen des in den 90er-Jahren von Cain geführten Gastronomenverbandes National Restaurant Association (NRA) sollen sich damals über Anzüglichkeiten ihres Chefs beschwert haben. Sie erhielten daraufhin, so das Internet-Magazin Politico.com , von der NRA ansehnliche Geldbeträge und verließen den Verband.

„Ich habe niemals jemanden sexuell belästigt“, dementierte Cain auf dem Kabelsender Fox News. Das gelte für seine Tätigkeit in der NRA ebenso wie andernorts. Er sei als Vorsitzender der Gastronomen-Verbandes dieser Taten lediglich „fälschlich beschuldigt worden“.

Sollten andere Verantwortliche der Organisation mit den Frauen aufgrund ihrer „haltlosen und völlig falschen“ Vorwürfe eine Vereinbarung über eine Geldzahlung getroffen haben, „weiß ich das nicht einmal und ich hoffe, es gab nicht viel“.

Cain blieb Antwort zunächst schuldig

Schon als Cain kurz zuvor das American Enterprise Institute in Washington besuchte, wollten die Journalisten eigentlich nichts mehr wissen über den „9-9-9“-Plan des Afroamerikaners für einen jeweils neunprozentigen Einkommens-, Körperschafts- und Mehrwertsteuersatz.

Doch der Veranstalter hielt sich in seinem Zwiegespräch mit dem 65-Jährigen streng an das vor Wochen vereinbarte Steuerthema und forderte unter Berufung auf die Gepflogenheiten der konservativen Denkfabrik auch die Zuhörer auf, bei dem Fachgebiet zu bleiben.

Als einer der Anwesenden dennoch die neue One-Million-Dollar-Frage zu stellen wagte, blieb Cain die Antwort schuldig. Erst im Hausgehen dementierte Cain die Vorwürfe zumindest indirekt: Er bleibe ein unkonventioneller Bewerber für das Weiße Haus und habe immer wieder einen Humor gezeigt, „den nicht jeder versteht“, sagte Cain.

Vorwürfe wirken bislang wenig dramatisch

Alles nur ein Missverständnis und die Überreaktion von Kolleginnen auf spaßige Anzüglichkeiten? In der Tat wirken die bislang bekannten Vorwürfe wenig dramatisch. Der seit 43 Jahren verheiratete zweifache Vater und dreifache Großvater soll eine Frau aus dem NRA-Vorstand 1999 bei einer Veranstaltung in Chicago aufgefordert haben, mit ihm auf sein Hotelzimmer zu kommen.

Zudem ist die Rede von „sexuell anzüglichen Fragen“ und „Bewegungen“, die „nicht offen sexuell“ gewesen seien, aber von den Frauen als „unangenehm“ und „unangemessen“ angesehen wurden. Unter Berufung auf ein anonymes Vorstandsmitglied deutet das Magazin an, es könne weitere Vorfällen gegeben haben.

Solange sich die Frauen an ihre Verpflichtungen zur Verschwiegenheit halten, bleibt Raum für Spekulation und Fantasie. Die Wucht der unlängst gegen den damaligen Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn erhobenen Beschuldigungen ist aber nicht zu erwarten. Und anders als beim früheren Präsidenten Bill Clinton dürften in der näheren Zukunft auch keine Kleider nach einschlägigen Spuren zu untersuchen sein.

Hoffnung auf moralische Integrität

Dennoch ist die Aufregung groß. Der Manager und Unternehmer Cain, der seine Popularität vor allem darauf gründet, kein Politiker zu sein, verkörpert die Hoffnung auf moralische Integrität, die insbesondere konservative Wähler den Beteiligten des Washingtoner Politbetriebes absprechen.

Sollte sich nun der Eindruck festsetzen, der Selfmade-Aufsteiger aus ärmlichen Verhältnissen genüge jenen moralischen Kriterien nicht, die er durch den regelmäßigen Hinweis auf sein modellhaftes Familienleben reklamiert, könnte dies tödlich sein für den weiteren Aufstieg des „Pizzamannes“.

Im Nachhinein dürfte sich nur schwer klären lassen, ob die damaligen Vorwürfe Substanz hatten oder es sich um Missverständnisse oder gar eine Intrige handelte. Insbesondere die Zahlung von einer Art Schweigegeld, ob mit oder ohne Wissen Cains, hätte gewissermaßen Fakten geschaffen.

Cains politische Botschaften würden das politische Washington erschüttern, lässt sein Team wissen, darum versuchten seine Gegner nun, seine charakterliche Qualifikation in Frage zu stellen. Als Geschäftsmann wisse er, wie man Probleme löst, preist sich Cain an. Er versicherte auch: „Herman bleibt Herman.“ Ob das ein Gütesiegel bleibt oder zur Belastung wird, müssen die nächsten Umfragen zeigen.

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