Libyen

Nur Gaddafis Heckenschützen wehren sich noch

Die verbliebenen Truppen des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi sind nach Ansicht der Nato keine nennenswerte Bedrohung mehr für die Zivilbevölkerung des Landes.

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"Aus unserer Sicht kommt der Tag näher, an dem wir unseren Einsatz beenden werden", sagte Nato-Sprecherin Carmen Romero in Brüssel. Ein Datum könne sie noch nicht nennen. An diesem Mittwoch berät der Nato-Rat. Einen Beschluss zum Abzug wird es jetzt wahrscheinlich noch nicht geben. Der Einsatz läuft seit Ende März.

In der ehemaligen Gaddafi-Hochburg Sirte kontrollierten die Soldaten des Ex-Dikators nur noch "ein sehr kleines Gebiet von ein paar Häuserblocks", sagte Militärsprecher Roland Lavoie. Sie versuchten vor allem, ihre Positionen zu halten, seien aber zu größeren Angriffen nicht mehr fähig. Im Wüstenort Bani Walid seien die Gaddafi-Truppen "bemüht, die eigene Gefangennahme zu verhindern", sagte er. "Sie kontrollieren keine nennenswerten bewohnten Gebiete mehr und stellen außerhalb von einigen Widerstandsnestern keine Gefahr mehr für die Zivilbevölkerung dar."

Romero sagte, die Nato werde den Einsatz beenden, sobald sie überzeugt sei, dass die Zivilbevölkerung nicht mehr bedroht und dass der Übergangsrat der Rebellen in der Lage sei, die Sicherheit der Bürger zu garantieren. "Unser Einsatz mag vor dem Ende stehen, aber wir bleiben wachsam, bis wir von unserem Auftrag entbunden sind."

In der Nacht zu Dienstag hatten Milizen des libyschen Übergangsrates nach sechs Wochen langen Kämpfen die Wüstenstadt Bani Walid eingenommen. Sie liegt 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Tripolis. Im Zentrum von Bani Walid hissten Milizionäre die Flagge des Übergangsrates und feuerten Freudenschüsse ab, wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete. "Die Stadt Bani Walid ist vollständig befreit", sagte ein Kämpfer dem Sender. Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sei es am Montag erstmals wieder gelungen, Krankenhäuser in Bani Walid mit dringend benötigten Medikamenten zu versorgen.

Derweil traf US-Außenministerin Hillary Clinton in Tripolis ein. Es ist der erste Besuch eines hochrangigen Mitgliedes der US-Regierung in der libyschen Hauptstadt seit Beginn des Aufstandes gegen Gaddafi. Aus Sicherheitsgründen wurden die Einzelheiten ihres Reiseplanes nicht veröffentlicht.

Nach acht Monaten Pause hat der deutsche Ölproduzent Wintershall die Förderung in Libyen wieder aufgenommen. Die Anlagen rund 1000 Kilometer südöstlich von Tripolis seien unbeschadet, meldete das Unternehmen, das zum Chemiekonzern BASF gehört.