"Joe the Plumber"

Vom einfachen Klempner zum US-Abgeordneten

Samuel Joseph Wurzelbacher gilt als Sinnbild des Mittelklasse-Amerikaners. Der berühmte Klempner will nun Abgeordneter werden.

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Als "Joe the Plumber" wurde Samuel Joseph Wurzelbacher der berühmteste Klempner der Welt. Jetzt will der Mann aus Ohio, der Barack Obama 2008 im Straßenwahlkampf wegen dessen Steuerplänen kritisierte, "Joe the Congressman" werden. Der 37-jährige Wurzelbacher möchte Ende 2012 für die Republikaner den 9. Wahlbezirk in Ohio erobern, den seit 1982 eine Demokratin vertritt.

Das Bad in der Menge birgt für Politiker immer Risiken. Man denke an den vormaligen britischen Premier Gordon Brown, der im Wahlkampf 2010 die 65-jährige Gillian Duffy beleidigte.

Nach kontroverser Diskussion strebte Brown zurück ins Auto und stöhnte vor Mitarbeitern, die Dame sei eine "Fanatikerin" und das Gespräch mit ihr "eine Katastrophe" gewesen – unglücklicherweise war der Premier da noch mit einem BBC-Mikrofon verdrahtet.

Bei Obama verhielt es sich anders. Der damalige Senator wusste um die Journalisten und Kameras um ihn herum, als Wurzelbacher ihm erzählte, er wolle eine Klempnerfirma kaufen, die "bis zu 280.000 Dollar im Jahr macht". Obama wolle ihn höher besteuern? Wie passe das zusammen mit dem "amerikanischen Traum"?

Der Kandidat bestätigte dem Mann, die Steuer auf Einkommen über 250.000 Dollar solle von 36 auf 39 Prozent steigen, "wie es unter Bill Clinton war". Dafür würden niedrigere Gehälter entlastet.

Keine Klempnerlizenz und nicht genug Geld

Später stellte sich heraus, dass Joe, damals Angestellter eines Kleinunternehmens, über keine Klempnerlizenz und bei einem Jahreseinkommen von 40.000 Dollar auch nicht über die Mittel verfügte, eine eigene Firma zu kaufen.

Gleichwohl wurde der Arbeiter zum Sinnbild des "Mittelklasse-Amerikaners". Er trat bei Veranstaltungen der Republikaner auf und versuchte sich als Buchautor. "Ich arbeite hart, zehn bis zwölf Stunden am Tag", sagte Joe 2008 zu Obama. Da kann der Wahlkampf ja beginnen.