Libyen

Stamm des Ex-Diktators fordert Gaddafis Leiche

Während der Stamm Gaddafis die Herausgabe des Leichnams fordert, sind die Todesumstände weiter unklar. Die Vereinten Nationen und auch die Ehefrau des Ex-Diktators fordern nun eine Aufklärung. Die Befreiung des Landes soll dessen ungeachtet am Sonntag gefeiert werden.

Foto: dpa / dpa/DPA

Der Stamm Muammar al-Gaddafi hat den Nationalen Übergangsrat aufgefordert, die Leichen des libyschen Ex-Diktators und seines Sohnes Mutassim unverzüglich herauszugeben. Sie sollten nach islamischem Brauch in ihrer Heimatstadt Sirte bestattet werden, heißt es in einer Mitteilung, die der Pro-Gaddafi-Sender Al-Rai mit Sitz in Syrien veröffentlichte. Die Unterzeichner, die von „Märtyrern“ sprechen, wenden sich dabei auch an die Vereinten Nationen, die Organisation der Islamischen Konferenz und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Nach Informationen des britischen Senders BBC soll die Leiche demnächst obduziert werden, um Klarheit zu schaffen. Zu den genauen Todesumständen Gaddafis gibt es weiterhin unterschiedliche Darstellungen. Offizielle Stellen in Tripolis behaupten, der verletzte Gaddafi sei auf der Fahrt nach Misrata im Krankenwagen ins Kreuzfeuer neuer Kämpfe geraten und dabei tödlich verletzt worden. Nach Einschätzung eines Arztes starb der Ex-Diktator durch „Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch“. Dies könnte auf eine absichtliche Erschießung hindeuten, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabija.

In Misrata bildeten sich am Freitag lange Schlangen von Menschen, die den Leichnam sehen und mit Handy-Kameras Fotos machen wollten. Er lag auf einer Matratze am Boden, amerikanischen Presseberichten zufolge in einem Supermarkt-Kühlraum.

Nach muslimischer Tradition werden Tote normalerweise binnen 24 Stunden beigesetzt. Der Nationalrat war sich aber am Freitagabend noch nicht einig, wann und wo der Tote begraben werden soll. Auf jeden Fall soll der Ort geheim bleiben, damit Gaddafi-Anhänger keinen Wallfahrtsort bekommen.

Wegen der rätselhaften Umstände des Todes hatten zuvor die Vereinten Nationen und Gaddafis Ehefrau Safija Aufklärung verlangt. „Wir wissen nicht, wie er gestorben ist. Dazu muss es eine Untersuchung geben“, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf.

Libyen erklärt sich für befreit

Zwei Tage nach dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar al Gaddafi soll in Libyen eine neue Ära beginnen: In Bengasi, wo vor acht Monaten der Aufstand begann, will der Nationale Übergangsrat am Samstag das . Geplant ist, binnen eines Monats eine neue Übergangsregierung zu bilden und innerhalb von acht Monaten Wahlen abzuhalten.

Unklarheit über die genauen Todesumstände Gaddafis und widerstreitende Ansprüche auf seinen Leichnam verhinderten bislang eine schnelle Beerdigung, wie sie der islamische Ritus eigentlich vorschreibt. Am Freitag lag der blutbefleckte Leichnam mit Schusswunden in Kopf, Brust und Bauch noch im Kühlraum eines Einkaufszentrums in Misrata. In langen Schlangen standen Einwohner der im Sommer schwer umkämpften Stadt an, um einen letzten Blick auf den verhassten Herrscher zu werfen.

Gaddafi war am Donnerstag bei der Eroberung seiner Heimatstadt Sirte zunächst lebend gefangen genommen worden, wie Videoaufnahmen zeigen. Wie er dann zu Tode kam, ist unsicher. Das gleiche gilt für seinen Sohn Muatassim. Über den Verbleib des Sohnes Seif al Islam gibt es widersprüchliche Berichte, anscheinend war er noch auf freiem Fuß.

>>> Foto: Aufnahme vom Versteck Ghaddafis, einer Betonröhre (ACHTUNG: drastische Darstellung)

>>> Foto: weitereAufnahme vom Versteck Ghaddafis (ACHTUNG: drastische Darstellung)