Frivole Scherze

Berlusconi will Partei "Vorwärts Muschi!" nennen

Der italienische Ministerpräsident braucht Lösungen in der politischen Krise. Um seine Partei zu erneuern, sucht er nach einem neuen Namen.

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Italien steckt in der größten politischen und wirtschaftlichen Krise seiner jüngsten Geschichte. Vor allem Ministerpräsident Silvio Berlusconi gerät zunehmend unter Druck. Im Parlament bröckelt seine Macht, etliche Sex- und Bestechungsskandale werden ihm vorgeworfen. Um die Anhänger seiner Partei "Volk der Freiheit" im verzweifelten Kampf gegen die Schuldenkrise zu motivieren, greift Berlusconi zu ungewöhnlichen Mitteln.

Er will einen neuen Namen für seine Partei finden, um der Gruppierung nach der Trennung von seinem Ex-Verbündeten Gianfranco Fini eine neue Identität zu verleihen. "Die Leute tragen den bisherigen Namen nicht mehr im Herzen", begründete Berlusconi seinen Vorstoß am Donnerstag vor Abgeordneten seiner Parlamentskoalition.

Grundsätzlich sei er offen für Ideen, sagte er. Sein scherzhafter erster Vorschlag: "Partito della gnocca" (Die Muschi-Partei).

Partei soll zurück ihren Wurzeln

Laut Berlusconi hätte dieser Name beste Erfolgschancen. Schließlich seien zahlreiche Varianten möglich. "Vorwärts Muschi!" oder "Auf in den Kampf, Muschi!" könne er sich gut vorstellen. Der Ministerpräsident will in Kürze eine Umfrage starten und Wähler sowie Parteianhänger nach einem geeigneten Namen fragen.

Grundsätzlich will Berlusconi seine Partei zu ihren Wurzeln zurückführen. Er hatte die Mitte-Rechts-Partei 1994 mit dem Namen "Forza Italia" gegründet.

Italienischen Presseberichten zufolge gab er den Vorschlag kurz vor einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Giulio Tremonti zum Besten. "Wir sind in diesen schweren Zeiten nicht immer einer Meinung", sagte Berlusconi. Er wisse, dass Tremonti die Namensidee nicht teilen würde.

"Beim Geld gehen wir getrennte Wege"

Der Wirtschaftsminister habe daraufhin nur gelächelt und geantwortet: "Beim Geld gehen wir getrennte Wege." Zum neuen Namen schwieg er. Beide Politiker bekräftigten jedoch, dass die Sparprogramme für Italien absolute Priorität hätten und ein neuer Partei-Name hinten anstehe.

Antonio Borghesi von der Oppositionspartei Italien der Werte kommentierte, der Spruch fasse sehr gut den Lebensstil und die Politiksicht des Regierungschefs zusammen. Italienische Blogger bezeichneten den Vorstoß als "typisch" für Berlusconi. Eine Abgeordnete von Berlusconis eigener Partei kritisierte den Scherz sogar als „unangemessen und nicht lustig".