Bulgarien

Roma-Boss nach Krawallen festgenommen

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Nach dem Tod eines jungen Bulgaren, der von einem Mitglied einer einflussreichen Roma-Familie überfahren wurde, ist die Stimmung im Land weiter angespannt. In der Folge waren schwere Ausschreitungen ausgebrochen. Ein Roma-Führer, dem mafiöse verstrickungen nachgesagt werden, wurde festgenommen.

Nach tagelangen Spannungen zwischen Bulgaren und Roma ist am Mittwoch der Roma-Mafiaboss Kiril Raschkow festgenommen worden. Der 69-Jährige, der auch als „König Kiro“ bekannt ist, sei in Sofia unter dem Vorwurf festgenommen worden, einen Bewohner seines Heimatdorfes Katuniza mit dem Tode bedroht zu haben, sagte Vize-Innenminister Wesselin Wutschkow. Raschkow stand unter Polizeischutz, seitdem am Freitag Bewohner von Katuniza gegen ihn demonstriert hatten.

Rund 2000 Menschen gingen dort am Wochenende erneut gegen den Clan Raschkows auf die Straße, nachdem Mitglieder der Familie einen jungen Bulgaren nach einem Streit mit ihrem Auto überfahren hatten. Am Sonnabend wurden in Katuniza drei leerstehende Häuser von Raschkow angezündet. Am Sonntag kam es landesweit zu Demonstrationen aus Solidarität mit den Bewohnern des Ortes. Diese werfen Raschkow vor, illegal Alkohol zu produzieren und ein Netzwerk von Bettlern und Prostituierten zu unterhalten.

Trotz eines gemeinsamen Appells zur Ruhe von Präsident Georgi Parwanow und Ministerpräsident Boiko Borisow blieb auch am Mittwoch die Stimmung stark angespannt. Rechtsradikale Gruppe machten sich den Vorfall zunutze, um Stimmung gegen die Minderheit der Roma und der Türken zu machen. Der Anteil der Roma an der Gesamtbevölkerung liegt bei rund neun Prozent.

In der Nacht zu Mittwoch war es zu schweren Gewaltexzessen seit 14 Jahren gekommen. Die Polizei nahm mehr als 160 Menschen fest. Sie hätten kleine Sprengsätze, Messer und Schlagstöcke mit sich geführt. Rund 2200 Menschen gingen offiziellen Angaben zufolge in insgesamt 14 Städten auf die Straße. Auf Plakaten waren nationalistische Parolen zu lesen. „Wir zahlen unsere Steuern, wir benehmen uns normal, aber die Roma haben mehr Privilegien“, sagte eine Demonstrantin.

Die nationalistische Attack-Partei kann sich zwar nur auf eine Unterstützung von vier Prozent der Bulgaren stützen, ist aber ein wichtiger Partner der regierenden GERB-Partei. Diese wies Einschätzungen zurück, es habe sich um Gewalt zwischen Volksgruppen gehandelt. „Das waren rein kriminelle Taten und keine ethischen Spannungen“, sagte GERB-Präsidentschaftskandidat Rosen Plevneliev, ein enger Verbündeter von Ministerpräsident Boiko Borisov.

Es waren die schwersten Krawalle im ärmsten Land der Europäischen Union seit 1997, als eine Wirtschaftskrise mit folgender Hyperinflation Unruhen auslöste. Beobachter beklagen ein Klima der Gleichgültigkeit gegenüber dem Organisierten Verbrechen.

( AFP/Reuters/mim )