MDR-Affäre

Volksmusik-Patron im Visier der Ermittler

Wegen der MDR-Affäre sind bundesweit 24 Büros durchsucht worden. Es geht um die Machenschaften des gefeuerten Unterhaltungschefs Foht. Darin soll auch der bekannte Musikverleger Beierlein verwickelt sein

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Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat am Mittwoch im Zusammenhang mit der MDR-Affäre um den suspendierten Unterhaltungschef Udo Foht eine bundesweite Razzia durchgeführt. Nach Informationen von Morgenpost Online sind 24 Büros und Wohnungen in Bayern, Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Durchsuchungen: „Wir ermitteln gegen insgesamt sechs Beschuldigte“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Wie es hieß, zählt auch der Münchener Musikverleger Hans R. Beierlein zu den Beschuldigten. Beierlein, ein Patron der Volksmusik, vertritt mit seiner Firma Montana etliche bekannte Künstler. Vor drei Jahren hatte er dem MDR-Unterhaltungschef bei einer vom Sender nicht genehmigten Produktion 180.000 Euro vorgestreckt. Das Geld diente angeblich der Vorfinanzierung einer MDR-Schlagersendung mit dem Arbeitstitel „Schlag auf Schlager“. Obwohl Beierlein nur einen Bruchteil der Summe wieder eintreiben konnte – die Rede ist von 10.000 Euro –, schwieg er jahrelang. Viele Künstler, die Beierleins Firma groß gemacht hat, sind nicht zuletzt dank Foht zu Megastars aufgestiegen. Florian Silbereisen etwa, Moderator der „Feste der Volksmusik“, mit denen die ARD mitunter mehr als sechs Millionen Zuschauer anspricht.

Ein weiterer Beschuldigter ist Christian Schulzki, Geschäftsführer der Leipziger Produktionsfirma Ariane Film. Seine Firma hatte Fohts Suspendierung am 27. Juli dieses Jahres ausgelöst und den MDR über dessen dubiose Finanzierungsgeschäfte informiert. Schulzki sagte Morgenpost Online: „Es ist sehr eigenartig, dass die Staatsanwaltschaft ausgerechnet uns zu den Beschuldigten zählt.“ Hintergrund ist ein Fall aus dem September 2008.

Foht hatte Schulzki damals gebeten, für eine andere Produktionsfirma kurzfristig einen Scheck über 20000 Euro als Sicherheitsleistung zur Verfügung zu stellen. Foht behauptete, die Firma arbeite für den MDR und sei gerade etwas klamm. Weil Schulzki das Geld nicht zurückbekam, fragte er mehrmals bei Foht nach. Mitte Mai dieses Jahres platzte ihm endgültig der Kragen. Er schaltete einen Anwalt ein. Da wurde Foht bei ihm vorstellig und sagte, das Geld sei bei der Berliner Firma „Just for Fun“ gelandet.

ARD will Länderanstalten überprüfen

Ende Juli wurde Foht vom Sender suspendiert. Der Sender hat Strafanzeige gegen Foht gestellt und der Staatsanwaltschaft entsprechende Unterlagen übergeben. Die ermittelt laut MDR unter anderem wegen Betrugs und Bestechlichkeit gegen Foht.

Die Affäre hat den MDR seit Wochen fest im Griff, auch die ARD leidet darunter. Erst am Mittwoch hatte die ARD-Vorsitzende Monika Piel auf einer Konferenz in Potsdam gesagt, einzelne Betrugsfälle würfen einen Schatten auf den ganzen Senderverbund. Sie kündigte Überprüfungen an. Die neun Länderanstalten sollten nach „strukturellen Lücken“ suchen, „die Betrug begünstigen“, sagte die ARD-Vorsitzende. Es gehe dabei vor allem um Vorschriften bei der Vergabe von Fernsehprojekten an freie Produzenten.

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