11. September

Religionen in Berlin nach 9/11 zusammengerückt

Die Gedenkfeierlichkeiten für Terroropfer des 11. September 2001 sind in Berlin Angehörige verschiedener Religionen und verschiedenen Alters gemeinsam angegangen. Wowereit sagte in einer Rede, dass in Berlin unterschiedliche Kulturen und Religionen nach dem Anschlag zusammengerückt sind.

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In der American Church in Berlin nehmen zahlreiche Vertreter aus der deutschen Politik am Gedenkgottesdienst teil.

Video: Reuters
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Vertreter verschiedener Religionen haben am Sonntag im Roten Rathaus gemeinsam mit Berliner Politikern und US-Bürgern der Terroropfer des 11. September 2001 gedacht. Gastgeber der Veranstaltung waren Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der US-Botschafter in Deutschland, Philip D. Murphy.

Musikalisch untermalt wurde das Gedenken von Mitgliedern des Pittsburgh Symphony Orchestra. An der Front des Saales standen die Flaggen der USA, Deutschlands und des Landes Berlin nebeneinander. Christen, Juden, Muslime und Angehörige weiterer Religionen lasen Texte aus ihren heiligen Schriften. Das multireligös und multiethnisch besetzte Jugendbündnis „Nein! Eleven“ trug begleitet von einer Videoeinspielung den Song „Sweet Coexistence (“Süße Koexistenz„) vor.


Schweigeminute für Opfer

Weitere Bildprojektionen zeigten auf einer Leinwand dem tief bewegten Publikum Originalfotos der Ereignisse des 11. September vor zehn Jahren. Zu Beginn des Gedenkens hatten sich alle Anwesenden für eine Schweigeminute erhoben.

Wowereit sagte, der 11. September 2001 habe sich in die Erinnerung der Menschen eingebrannt. Auch Berlin habe damals den Atem angehalten. Er erinnerte an eine ökumenische Trauerfeier, die damals am Abend des Tages im Berliner Dom abgehalten worden war. Das Haus sei überfüllt gewesen, Hunderte Menschen hätten sich auf dem Vorplatz versammelt. Auch in anderen Kirchen der Stadt sei an die Opfer der Anschläge erinnert worden.

“Amerika war angegriffen worden„, führte Wowereit weiter aus. Was letztlich auch bedeutet habe: “Wir alle waren angegriffen worden. Es war eine Attacke auf die offene Demokratie, auf unsere Freiheit, auf unsere Werte.„ Besonders die Berliner hätten dies so empfunden, da in der Stadt Werte wie Freiheit und Solidarität stark ausgeprägt seien. “Nirgendwo sonst ist die deutsch-amerikanische Freundschaft so tief verwurzelt wie in Berlin„, unterstrich der Politiker.

Die Anschläge seien “eine Bewährungsprobe für die demokratische Wertegemeinschaft„ gewesen. Es habe die Gefahr bestanden, die Unterschiede der Kulturen “schier unüberwindbar„ erscheinen zu lassen. Selbst innerhalb des westlichen Bündnisses habe es bald Meinungsverschiedenheiten gegeben. Die Antwort darauf aber habe nur das Hochhalten dieser Werte sein können. Gleichzeitig müsse heute die Frage lauten: “Wie wollen wir in einer solchen Welt künftig das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen friedlich gestalten?„ Solche eine Frage sei besonders für Metropolen wie Berlin oder New York von “größter Bedeutung„.

Anerkennung für Berliner Muslime

Ausdrücklich betonte Wowereit zum Abschluss einer Rede: “Dieses Zusammenrücken hat stattgefunden.„ Daran hätten auch die muslimischen Mitbürger in Berlin einen großen Anteil. Die klare Distanzierung von Islamismus und Terrorismus der überwältigenden Mehrheit der Berliner Muslime sei ein “aktiver Beitrag„ für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dafür gebühre ihnen Dank und Anerkennung. Das gelte auch für die Christen und Juden der Stadt, die nach dem 11. September 2001 den Dialog mit dem Islam gesucht hätten.

Zugleich kritisierte Wowereit, dass “anti-islamische Populisten und Rechtsextreme„ immer wieder versucht hätten, das Thema Zusammenleben der Religionen und Terrorismus für ihre Zwecke auszuschlachten.

Bereits am Vormittag hatte die American Church in Berlin einen Gedenkgottesdienst veranstaltet. Unter den Gästen befand sich auch Bundespräsident Christian Wulff. Am Abend sollte es einen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom geben. In Spandau gedachten Berliner Feuerwehrleute gemeinsam mit Kameraden aus den USA der ums Leben gekommenen New Yorker Kollegen, sagte Landesbranddirektor Wilfried Gräfling.

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