Gesundheit

Patienten klagen über Ärztepfusch in 40.000 Fällen

Immer häufiger beschweren sich Patienten über Ärzte, weil Knochenbrüche übersehen oder Hüft- und Kniegelenke fehlerhaft implantiert wurden. An fünfter Stelle der häufigsten Streitfälle stehen Fehler bei der Diagnose und der Behandlung von Brustkrebs. Die Ärzte machen zunehmenden Stress für die Fehler verantwortlich.

Foto: AP

Immer mehr Patienten beschweren sich über Ärztefehler. Die Fallzahl stieg 2008 allein bei ärztlichen Schlichtungsstellen um 5,1 Prozent, teilte die Bundesärztekammer mit. Allerdings bekamen nur 29 Prozent der Patienten Recht. An der Spitze der Fehlervorwürfe lagen Hüft- und Kniegelenksbehandlungen.

Die Gesamtzahl aller Beschwerdeverfahren in Deutschland schätzt die Bundesärztekammer auf etwa 40.000. Davon landete rund ein Viertel, genau 10.976, im vergangenen Jahr auf den Tischen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, die die Ärzte eigens dafür eingerichtet haben. Die übrigen Fälle werden gleich vor Gericht oder in außergerichtlichen Verfahren ausgetragen.

Der Schlichtungsexperte der Bundesärztekammer, Andreas Crusius, spekulierte, dass wachsender Stress gerade in Kliniken zu Fehlern führe. „Dass dadurch die Zahl steigt, kann ich mir gut vorstellen“, sagte er. Erhebungen gebe es aber nicht. Die steigende Fallzahl hänge auch damit zusammen, dass mehr Patienten über die Schlichtungsstellen Bescheid wüssten.

Die Gesamtzahl der Behandlungsfehler wird allerdings von einigen Experten wesentlich höher veranschlagt. So schätzte EU-Kommissarin Androulla Vassiliou im vergangenen Jahr, dass bei etwa jeder zehnten medizinischen Behandlung Patienten Schäden erleiden. Das wären bei rund 440 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten in der Praxis und 17 Millionen Fällen in Kliniken mehrere hunderttausend Fälle allein in Deutschland.

Zur Dunkelziffer wollte sich Crusius nicht äußern. Er gehe davon aus, dass sie nur geringfügig über den gemeldeten Zahlen liege. Allerdings räumte Crusius ein, dass einige Schäden und Fehler von Patienten gar nicht erkannt werden.

Wenn Patienten sich tatsächlich an eine Schlichtungsstelle wenden, stehen Klagen über den Verlauf von Operationen ganz oben. Danach folgen Beschwerden über die Untersuchung beim Arzt. Die Fälle, in denen Patienten ihren Ärzten vorwerfen, unzureichend oder gar nicht körperlich untersucht worden zu sein, hätten deutlich zugenommen, sagte der Jurist Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern.

An dritter Stelle kommen Beschwerden über Röntgenuntersuchungen. Ein Beispiel sind übersehene Knochenbrüche, weil Ärzte die Überweisung zum Röntgen versäumen.

Bezogen auf die Diagnosen kommt es nach Hüftgelenks- und Kniegelenksbehandlungen zu den meisten Fehlerbeschwerden. Danach folgen Unterschenkel- und Sprunggelenksfrakturen und Oberschenkelfrakturen. An fünfter Stelle stehen Fehler bei Diagnose oder Behandlung von Brustkrebs.

Die Fehlerzahl bei Hüftoperationen erklärte Expertin Renée Fuhrmann damit, dass sie mit bundesweit rund 150.000 Fällen pro Jahr sehr häufig seien. Der häufig vermittelte Eindruck sei falsch, dass es sich um eine einfache oder komplikationsfreie Operation handele. Die meisten der dabei anerkannten Arztfehler – 27 Prozent - beziehen sich auf Schädigung von Nerven, die zu Gefühlsstörungen oder Lähmungen führen können.

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